Alle Familienpflichten, aber keine Rechte

6. August 2001, 20:15
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"Mamazonen": Lesben mit Kind berichten

Wien - Der Druck sei von außen gekommen, von anderen Erwachsenen, ab dem Kindergarteneintritt der drei Mädchen, erinnert sich Eva (36). "Wo ist denn dein Papi?", sei da etwa Pia, damals drei Jahre alt, gefragt worden. Ihre Antwort: "Ich hab' zwei Mamis und einen Papi auch" sei auf Verwunderung gestoßen. Habe zu Nachfragen bei der Kindergartenleitung geführt.

Weil Pia (6), Marie (7) und Therese (10) bei zwei Frauen als Eltern leben: einem lesbischen Paar. Eva hat zwei, Anita ein Kind mit in die Beziehung gebracht. Die Kindesväter leben längst in anderen Verhältnissen, sind "Besuchspapis" im Hintergrund.

Fortpflanzung mittels Samenspende verboten

"Das ist bei den meisten Frauenpaaren mit Kind so", erläutert Karin, die vor zwei Jahren in Wien und Umgebung die "Mamazonen. Lesbische (Co)Mütter & ihre Kinder" mit gegründet hat. Nur eines der derzeit zwanzig Gruppenmitglieder sei "mittels Samenspende aus dem Bekanntenkreis" schwanger geworden: ein Vorgehen, das laut Fortpflanzungsmedizingesetz als medizinisch unterstützte Fortpflanzung gilt, die nur unter Eheleuten und heterosexuellen LebensgefährtInnen sowie von einer Ärztin/einem Arzt durchgeführt werden darf. Das von "privat" zu "privat" also im Grunde verboten sei.

Vom "Goodwill" abhängig

Überhaupt, so Karin, seien homosexuelle Paare mit Kind Familien mit allen Verpflichtungen, aber ohne ebensolche Rechte: "Sollte Anita etwas zustoßen, würde nicht ich, sondern der Kindesvater das Sorgerecht für Anitas Tochter bekommen", schildert Eva die zu erwartende Entscheidung für das "Kindeswohl" im Sinne der herrschenden Gesetze.

Es sei denn, Vater und Jugendamt zeigten "Goodwill": Eine Eigenschaft, auf die homosexuelle Paare mit Kind mangels gesetzlicher Gleichstellung besonders angewiesen seien. Kinder lebten in "großer Offenheit, die Welt kennenzulernen", meint Karin. Während Vorurteilsfreiheit auf Seiten der BeamtInnen es möglich gemacht habe, dass zwei Frauen in Wien seit fünf Jahren ein Pflegekind betreuen: Es gebe, so Karin, "namhafte Studien die zeigen, dass Kids in homosexuellen Beziehungen psychisch durchaus gesund aufwachsen".

Irene Brickner

(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.8. 2001)

Homepage ab September:
www.mamazonen.at
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