Putin forciert die "Eiserne Seidenstraße"

6. August 2001, 19:34
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Ehrgeiziges Bahnprojekt soll Korea und Europa verbinden

Moskau - Der russische Präsident Wladimir Putin hat den nordkoreanischen Staatschef Kim Jong Il zur Wiederaufnahme der Arbeit an einer asiatisch-europäischen Eisenbahnstrecke ermutigt. Das Projekt mit dem Namen "Eiserne Seidenstraße" soll die koreanische Halbinsel mit Europa verbinden. Beim Besuch Kims in Moskau einigten sich beide Politiker auf eine Erklärung über eine enge Zusammenarbeit bei dem ehrgeizigen Bauvorhaben.

Die Arbeiten begannen im vergangenen Jahr, wurden wegen der Spannungen zwischen Nordkorea und den USA jedoch wieder auf Eis gelegt. Zunächst muss wieder eine durchgehende Verbindung über die koreanische Halbinsel geschaffen werden, die dann an das Netz der Transsibirischen Eisenbahn angeschlossen wird. Es wäre die erste derartige Bahnverbindung seit 50 Jahren. Durch die gegenüber dem Seeweg deutlich kürzere Strecke versprechen sich die koreanischen Staaten eine Halbierung der Transportkosten und einen Anstieg des Handels.

Kim Jong Il ist am Montagmorgen mit seinem Sonderzug in Russlands nördlicher Metropole St. Petersburg eingetroffen. Der Bahnhof war aus Sicherheitsgründen stundenlang gesperrt. Kim gedachte des Gründers der Sowjetunion, Wladimir Lenin. Für den kommunistischen Machthaber heißt die Stadt nach wie vor Leningrad, sagte ein enger Vertrauter des russischen Präsidenten Wladimir Putin, der Regionalvertreter Viktor Scherkesow.

Nach Agenturangaben besichtigte Kim die ehemalige Mädchenschule, von der aus Lenin im Oktober 1917 die Revolution befehligte. Eine Kranzniederlegung für die Opfer der Belagerung der Stadt während des Zweiten Weltkriegs wurde wegen Regens auf Dienstag verschoben. Auf dem Programm stand auch die Besichtigung einer Fabrik, die Turbinen für Atomkraftwerke herstellt.

Wie stets im olivfarbenen Militäranzug gekleidet, besichtigte Kim außerdem das weltberühmte Eremitage-Museum. Ausländische Journalisten waren nicht zugelassen, selbst den russischen Medien wurden nur einige wenige Fernsehaufnahmen gestattet. Mittwochabend will er mit seinem gepanzerten Sonderzug die mehr als 10.000 Kilometer lange Heimreise nach Pjöngjang antreten. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7. August 2001)

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