Hochsaison

8. August 2001, 12:59
posten
Jetzt ist Hochsaison. Das hätten wir auch so gewusst. Aber sie erklären es uns trotzdem, die Vertreter eines (mehr oder minder) dienstleistungsorientierten Erwerbszweiges namens "Fremdenverkehr". Sie erklären es uns immer wieder, bei der (naturgemäß vergeblichen) Nachfrage nach einem Hotelzimmer, einem Masseurtermin oder auch nach einem Tisch im Restaurant.

Es gibt dabei viele Varianten zu studieren: das prustende Lachen über das Ansinnen aus Girlie-Mund; die zerfurchte Stirn über dem Terminkalender ("im September hätt' ich noch was"); die blanke Empörung, wenn man darauf hinweist, dass halt jetzt, wo der Gast schon einmal da ist und sein Geld anbringen will, vielleicht doch ein bisschen mehr gearbeitet werden könnte; das stolze Beharren auf einer Planungspolitik, die die Semmeln zu den Würschteln und das Eis als Ganzes ausgehen lässt; das traditionsverbundene Festhalten an der kriegswirtschaftlichen Bezugsschein-Mentalität - all das mündet in den aus tiefster Seele kommenden, am Verstand des Kunden zweifelnden, seine Wünsche als Verstoß gegen die heilige Weltordnung begreifende Frage: "Jetzt? In der Hochsaison?" (DER STANDARD Print-Ausgabe, 8.8.2001)

Share if you care.