Immer gesprächig

6. August 2001, 18:55
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"Modedroge Telefon": Geschichten über große und kleine Hörer

Früher einmal haben wir in der Badewanne mit der Brause Telefon gespielt. Heute kommt uns der altertümliche Hörer in der Telefonzelle mit der Saloon-Flügeltüre, die wir uns immer ins Gesicht schlagen, schon seltsam vor. Ist das alte Spielzeug damals etwa nicht am Sondermüll gelandet, sondern von der Post wieder verwertet worden?

Flach, klein, schwarz, rot, silber, auffällig oder unauffällig ...

Das kann nicht sein. Man ist heute nur andere Apparate gewöhnt. Flach, klein, schwarz, rot, silber, auffällig oder unauffällig, je nach Charakter des Besitzers. Mobil vor allem sollen sie sein. Natürlich nicht nur zum Angeben, aber auch: Ein Kollege hatte neulich vier Handys auf seinem Tisch liegen, selbstredend war eines davon das neue Multifunktionsalleskönnersupertollmobiltelefon. Ein anderer hat die Melodie aus "Zwei glorreiche Halunken" als Klingelton gewählt.

Telefongeschichten vom Außenrand

Aber in der SWR-Reportage "Modedroge Telefon" (21.45 Uhr) geht es nicht nur um das Design von Handys oder um Töne, die nerven. Es geht auch nicht nur um Callcenter, eine mindestens ebenso wichtige Geldquelle in der Wirtschaft. Erzählt werden auch Telefongeschichten vom Außenrand. Absurdes, Eigenartiges - was Menschen mit diesem Objekt der kommunikativen Begierden passieren kann: Da wird von einem Mann berichtet, der jahrelang aus einer Ostberliner Telefonzelle in den Westen gewisse Inhalte vermittelte, ehe er merkte, dass das "Hütterl" verwanzt war. Beruf verfehlt? Da berichtet ein altes Ehepaar von seinen ersten Fernsprechgeräten. Und ein getrenntes Paar von seinen Telefonrechnungen. Schließlich wird noch eine Familie mit drei Kindern und sechs Apparaten besucht. Die haben einander und anderen offenbar viel zu erzählen. (pi/DER STANDARD; Print-Ausgabe 7. August 2001)

"MODEDROGE TELEFON"
DI: 21.45 bis 22.30, SWR
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