Bankenkonkurs im Umfeld der General- Partners-Gruppe

6. August 2001, 19:08
posten

Konkursverfahren über General Commerce Bank eröffnet

Wien - Im Zuge eines Finanzskandals, der am Freitag zu vier Verhaftungen von prominenten Börsenbrokern führte (der Standard berichtete), ist nun auch ein Geldinstitut insolvent, bestätigte das Wiener Handelsgericht.

Die finanzielle Schieflage der General Commerce Bank, die früher WMP Bank hieß und erst seit Jahresbeginn unter dem neuen Namen firmiert, wurde allerdings bereits im Herbst vergangenen Jahres evident. Wie Alexander Gancz von der Bankenaufsicht im Finanzministerium dem Standard auf Anfrage erklärte, wurde von dieser Behörde bereits im Oktober vergangenen Jahres der Antrag auf gerichtliche Geschäftsaufsicht eingebracht. Damals wurde auch einer der beiden Geschäftsführer abberufen. Nur der am Freitag voriger Woche verhaftete Wolfgang Kössner (der Standard berichtete), Chef der General-Partners-Gruppe, zu der auch die an der Wiener Börse notierte General Partners Immobilienbesitz AG gehört, verblieb weiter in der Chefetage der Bank.

Aktien vom Handel ausgesetzt

Die Aktien dieser Gesellschaft wurden am Montag ebenso wie die Gewinnscheine der Residenz-Immobilien und der Residenz II Realbesitz bis auf weiteres vom Handel suspendiert.

Das Gericht hatte keine Eile, und erst am 16. Jänner 2001 wurde dem Antrag der Bankenaufsicht nachgegeben und über die General Commerce Bank die Geschäftsaufsicht verhängt. Als Behördenvertreter fungiert seither der Wiener Rechtsanwalt Horst Reitböck.

Dieser brachte bereits im März dieses Jahres einen Konkursantrag ein. Wieder zögerte das Gericht, und erst unter dem Druck der Medienberichte scheint jetzt - nach den Verhaftungen - Bewegung in die Affäre zu kommen.

Immerhin interessiert sich die US-Bundespolizei FBI für Personen, die im Umkreis des Geldinstitutes auftauchten. Ursprünglich war die nächste Tagsatzung in der Causa General Commerce Bank erst für Oktober anberaumt.

Gancz wies darauf hin, dass mit der Installierung der gerichtlichen Geschäftsaufsicht für die Bankenaufsicht die Pflicht zur weiteren Kontrolle der General Commerce Bank wegfiel. Sie habe ab diesem Zeitpunkt nur noch zu prüfen gehabt, ob diese Probleme auch Folgen für andere Banken haben könnten.

Keine Gefährdung

Diese Prüfung sei negativ ausgefallen. Keine andere österreichische Bank sei durch die Finanzprobleme der General Commerce Bank auch nur ansatzweise gefährdet, betonte Gancz.

Bei der Hypo Alpe-Adria- Bank sind Kredite im Ausmaß von 100 Mio. S (7,3 Mio. €), die an die General-Partners- Gruppe vergeben wurden, gefährdet, bestätigte der Chef des Konzernmarketings, Karl Isak, dem Standard. Davon seien allerdings 35 Mio. S bereits im Vorjahr und weitere 35 Mio. S im ersten Halbjahr 2001 wertberichtigt worden. Für den Rest werde im zweiten Halbjahr vorgesorgt.

Unabhängig davon gewährte die Hypo Alpe-Adria, die zu 52 Prozent dem Land Kärnten gehört, einen weiteren 100- Millionen-Schilling-Kredit an die belgische General Partners Immobiliere S.A., der, so Isak, zu 100 Prozent durch Liegenschaften besichert ist.

Aus Sicht der Hypo Alpe- Adria haben die belgische und die österreichische General- Partners-Firma nichts miteinander zu tun. Es handle sich um eine zufällige Namens- gleichheit, meinte Isak treuherzig. Eine Gemeinsamkeit existiert freilich doch: Die belgische General Partners ist im Besitz von Raoul Berthaumieu, der in der General Commerce Bank als Aufsichtsrat fungiert. (gb, DER STANDARD, Printausgabe 7.8.2001)

In Österreich ist neuerlich eine Bank insolvent. Diesmal sind aber keine Privatkunden betroffen, da die General Commerce Bank ausschließlich als Börsenmakler und im institutionellen Geschäft tätig war. Auch das FBI interessiert sich für das kleine Wiener Institut, in dessen Dunstkreis auch zwielichtige internationale Finanzjongleure gesichtet wurden.
Share if you care.