US-Justizministerium hat Online- Musikgeschäft im Visier

6. August 2001, 16:44
posten

Untersuchung konzentriert sich auf Pressplay und MusicNet

Washington - Das US-Justizministerium hat nach einem Bericht des "Wall Street Journal" eine kartellrechtliche Untersuchung des Online-Musikgeschäfts eingeleitet. Die Untersuchung konzentriere sich auf die beiden konkurrierenden Gemeinschaftsunternehmen Pressplay und MusicNet, die von fünf großen Musikfirmen unterstützt werden, berichtete die Zeitung am Montag.

Die Untersuchung sei in einem vorläufigen Stadium. Sie untersuche mögliche Wettbewerbsprobleme, die durch die Joint-Venture aufgeworfen würden. Es werde auch erwartet, dass die Regierung die Verwendung von Urheberrechten und Lizenzpraktiken der großen Musikfirmen untersucht, mit denen sie den den Online-Vertrieb ihrer Musik kontrollieren.

Pressplay gehört der japanischen Sony und der französischen Vivendi Univeral SA. Sie arbeitet mit Microsoft zusammen. MusicNet verwendet die RealNetworks-Technologie und gehört der amerikanischen AOL Time Warner, der britischen EMI Group Plc, der deutschen Bertelsmann AG sowie der US-Firma RealNetworks. Die Joint-Venture und alle fünf großen Musikfirmen lehnten nach Angaben der Zeitung Stellungnahmen ab. Die Wettbewerbshüter in Brüssel hätten bereits im Juni mit einer Untersuchung von MusicNet und Pressplay begonnen.

Kartellprobleme in der Musikbranche

Die US-Untersuchung sei die jüngste in einer Serie von Kartellproblemen, die im Zusammenhang mit der Konsolidierung der Musikbranche während der letzten Jahre aufgekommen waren. Die Zeitung verwies darauf, dass die großen Platten-Labels im Kongress in der vergangenen Woche unter Beschuss gekommen waren. Der demokratische Kongressabgeordnete Rick Boucher habe vor einem möglichen "Vertriebs-Duopol" im Online-Musikmarkt gewarnt. Er habe mit dem republikanischen Abgeordneten Chris Cannon einen Gesetzesentwurf eingebracht, der die Labels zwingen würde, ihre Online-Musik Anderen zu gleichen Konditionen in Lizenz zukommen zu lassen, wie ihren eigenen digitalen Verteilern. Der Dachverband der US-Musikbranche (Recording Industry Association of America) hatte den Gesetzesentwurf kritisiert.

Die beiden Joint-Venture wollen Verbrauchern digitalen Zugang zu Musikstücken für eine monatlich Gebühr bieten. Die beiden Unternehmen erhalten die Lizenzen von den Musikfirmen auf nicht-exklusiver Basis. Sie wollen sich auch gegenseitige Lizenzen geben, so dass jeder Dienst ein breites Musikangebot hätte. MusicNet und Pressplay haben unterschiedliche Online-Partner. MusicNet wird durch AOL, RealNetworks und Napster verfügbar sein. Allerdings sei der Status der Musiktauschbörse Napster wegen seiner rechtlichen Kämpfe noch ungewiss, erklärte die Zeitung. Pressplay hat sich mit dem Webportal Yahoo und mit dem Microsoft-Online-Dienst MSN sowie MP3.com zusammengeschlossen. MP3 wird von Vivendi Universal übernommen.

Weitreichende Auswirkungen

Die Untersuchung der Dienste könnte weitergehende Auswirkungen auf die Bemühungen von Unterhaltungsfirmen haben, sich in neue digitale Vertriebswege zu begeben, erklärte die Zeitung. Große Filmstudios arbeiteten bereits an eigenen Joint-Ventures in zwei Bereichen: Dienste für Filme auf Abruf und die digitale Übertragung von Filmen an die Kinos. (APA/dpa)

  • Artikelbild
    foto: musicnet
Share if you care.