Grazer Lenker geriet auf Gegenfahrbahn

8. August 2001, 09:08
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Autobrand im Gleinalmtunnel fordert fünf Tote

Die Ermittlungen nach der Brandkatastrophe laufen auf Hochtouren. Der folgenschwere Unfall im Gleinalmtunnel wurde nach einem Ergebnis der Gerichtskommission von dem Grazer Lenker verursacht, der die Katastrophe schwer verletzt überlebt hat:

Gegen den Fahrer wurde ein Verfahren wegen des Verdachts der fahrlässigen Gemeingefährdung eingeleitet.

Der Lenker aus Graz war noch in der Nacht befragt worden und hatte angegeben, es sei möglich, dass er in Folge von Unachtsamkeit wegen seiner im Fond des Wagens befindlichen Kinder über die Sperrlinie geraten sei.

Im Zuge der gerichtlichen Untersuchung seien auch die Sicherheitsvorkehrungen im Tunnel überprüft worden, so Hödl. Die Sicherheitsbedingungen seien aber "nicht kausal für den Unfall" gewesen. "Es war ein Begegnungsunfall, der auf einen Fahrfehler zurückzuführen ist. Dasselbe hätte sich auch in einem anderen Tunnel oder auf einer Straße ereignen können."

Der Unfall ereignete sich gegen 15.20 Uhr etwa zwei Kilometer vom Nordportal entfernt: Ein Kombi, der laut Kennzeichenfragmenten in den Niederlanden zugelassen worden sein dürfte, prallte frontal gegen einen steirischen Pkw. Beide Autos gingen in Flammen auf. Aus dem holländischen Wagen wurde nur ein Kind gerettet: Es stand in Flammen, die von einem nachkommenden Autolenker gelöscht wurden. Per Hubschrauber wurde das Kind in das LKH Graz geflogen, an die 70 Prozent der Hautoberfläche sollen verbrannt sein. Die drei weiteren Verletzten brachten sich aus eigenen Kräften in Sicherheit: Sie liefen den Rettungskräften zum Nordportal entgegen.

Die Leichen seien bis zur Unkenntlichkeit verbrannt, berichtete der leitende Notarzt Walter Huber. Auch Stunden nach dem Unfall war noch nicht klar, ob sich vier oder fünf Tote in dem mit drei Sitzreihen ausgestatteten Kombi oder Minivan befanden. Weitere Fahrzeuge waren in den Unfall nicht involviert: Als die Hilfsmannschaften an Ort und Stelle eintrafen, befanden sich - außer den beiden brennenden Unfallautos - keine weiteren Autos im sofort automatisch gesperrten Tunnel.

"Brand aus"

Die Einsatzkräfte rückten mit zwölf Feuerwehren und zahlreichen Rettungswagen sowie zwei Hubschraubern Feuerwehr an. Von beiden Seiten gingen die Löschmannschaften mit schwerem Atemschutz zum Brandherd vor. Gegen 16.00 Uhr konnte "Brand aus" gegeben werden. Die Gerichtskommission nahm gegen 19.00 Uhr ihre Arbeit auf, mit einer Freigabe der A 9 in diesem Abschnitt wurde erst für Dienstag gerechnet.

Von Seiten der Autobahnen und Schnellstraßen AG ÖSAG hieß es, das Brandmeldesystem und der Einsatz hätten klaglos funktioniert. Die Alarmierung sei um 15.21 Uhr erfolgt, praktisch gleichzeitig seien die Abluftmaschinen auf volle Leistung hochgefahren worden. Wie Betriebsleiter Edmund Zach sagte, seien für das kommende Jahr mit Baubeginn April weitere Sicherheitsinvestitionen bei dem drittlängsten Straßentunnel Österreichs geplant. Diese Maßnahmen - u.a. bessere Rauchabsaugung, größere Notrufnischen und eine neue Brandmeldeanlage - hätten im konkreten Fall aber vermutlich nicht geholfen, die Unfallsfolgen zu mildern. Dies hätte offensichtlich nur eine zweite Röhre können, deren Finanzierung noch in den Sternen steht. (APA)

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