FBI im Tief - Neuer Chef will bessere Technologie

6. August 2001, 15:53
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Robert S. Mueller folgt Louis Freeh nach

T-Shirts mit der Aufschrift FBI sind zurzeit in den USA nicht der Renner, der sie mal waren. Zu viel hat man in jüngster Zeit über peinliche Pannen bei der einst so makellos glanzvollen Bundeskriminalpolizei gehört und gelesen. Verschwundene Computer und Waffen, vergessene Prozess-Unterlagen, ein hochkarätiger Spion in den eigenen Reihen und Vertuschungsmanöver nach Fehlern: Das sind nur wenige Beispiele aus einer ganzen Serie von Problemen, die das Federal Bureau of Investigation in ein Tief gebracht haben.

"Mehr Vertrauen und bessere Technologie"

Jetzt soll ein neuer Chef die Polizeimacht wieder aufmöbeln. Robert S. Mueller, bis vor kurzem Bundesanwalt für einen Teil Kaliforniens, ist soeben vom Senat als Nachfolger des nach acht Jahren ausgeschiedenen Louis Freeh bestätigt worden. Während des Anhörungsverfahrens bezeichnete er es als höchste Priorität, "das Vertrauen des amerikanischen Volkes in das FBI wiederherzustellen". Mueller versprach mehr Effizienz, ein besseres Management, mehr Überschaubarkeit und verbesserte Technologien.

Jahresbudget von 56,3 Milliarden Schilling

Auf dem Weg dorthin wird ihn der US-Kongress, der nach der Pannenserie gleich mehrere Untersuchungen eingeleitet hatte, zweifellos mit Argusaugen beobachten. Schließlich ist das FBI mit seinen 11.000 Spezialagenten eine kostspielige Einrichtung: Sein jährliches Budget liegt bei 3,6 Milliarden Dollar (4,09 Mrd. Euro/56,3 Mrd. S).

Die nicht endenwollende Pannenserie

Geldmangel ist also nicht schuld an den Problemen und Fehlern, die das FBI seit Anfang der neunziger Jahre plagen. Da war zum Beispiel 1992 die Belagerung von Ruby Ridge. Der Versuch, den Separatisten Randy Weaver festzunehmen, endet mit mehreren Toten. Ein FBI-Scharfschütze erschießt Weavers unbewaffnete Frau. Bei der späteren Untersuchung des Falls wird versucht, Fehler zu vertuschen.

Der Fall Waco

Bis heute bleibt auch das FBI-Verhalten im Fall Waco im Zwielicht, wo 1993 die 51-tägige Belagerung eines Sektenanwesens in einem Flammeninferno endet. Ermittlungsbeamte beklagen sich über die Behinderung der Untersuchungen und das Zurückhalten wichtigen Beweismaterials. Eine wenig glückliche Hand zeigt das Amt dann 1996 nach dem Bombenanschlag bei den Olympischen Spielen, als ein Unschuldiger vom FBI öffentlich als Hauptverdächtiger genannt wird.

TWA-Absturz 1999

Bei der Untersuchung der Ursache für den Absturz der TWA-Maschine 1999 verbiss sich das FBI nach Ansicht von Kritikern zu lange in den Terror-Verdacht anstatt eines mechanischen Fehlers und habe damit die Flugsicherheit gefährdet. Höchst peinlich endet 2000 die Verfolgung eines mutmaßlichen Spions für China im US-Nuklearlabor Los Alamos. Das FBI muss sich bei ihm entschuldigen. Noch mehr blamiert steht das Bundeskriminalamt nach der Enttarnung eines eigenen Agenten als Spion für Moskau da. Der Mann war 15 Jahre lang unentdeckt geblieben. Und schließlich dann die Panne im Fall des Oklahoma-Bombenattentäters Timothy McVeigh. Über 4000 Blatt an Ermittlungsakten waren versehentlich nicht an die McVeigh-Anwälte weitergegeben worden.

"FBI nicht für die Zukunft gerüstet"

Das FBI sei einfach für die Zukunft nicht gerüstet, stellte unlängst das Magazin "US News and World Report" fest. Auf der einen Seite verfüge es bei hochkarätigen Außeneinsätzen über modernste technologische Geräte. Aber beim "normalen" Tagesgeschäft hapere es. Ein IBM-Experte stellte fest, dass 60 Prozent der in FBI-Büros verwendeten Computer vier bis acht Jahre alt sind. Völlig veraltet ist das Archivsystem. So bestanden die meisten der FBI-Unterlagen im Fall McVeigh aus Papier und mussten per Eilpost an eine Zentralstelle zum Einspeichern in Computer verschickt werden.

Freeh, der "einsame Wolf"

Freeh, so sagen Kritiker, sei ein äußerst integrer Chef gewesen. Er habe aber wenig Erfahrung im Management besessen und es versäumt, wegen der technologischen Missstände Alarm zu schlagen. Er sei außerdem eine Art "einsamer Wolf" gewesen und habe zu selten den Rat von eigenen Beamten eingeholt. Eine unkluge Personalpolitik habe zudem zu einer zu starken Verjüngung des FBI geführt. Es fehlten erfahrene Kräfte. Mueller soll das alles nun ändern. Die Vorschusslorbeeren sind groß. "Er passt perfekt für diese Aufgabe", lobte zum Beispiel der demokratische Senator Charles Schumer. "Er ist genau das, was der Doktor als Medizin verordnet hat." (Von Gabriele Chwallek, APA)

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