Schnaps war früher Betäubungsmittel und Nahrungsersatz

6. August 2001, 14:19
posten

Das Trinkverhalten in der Schweiz hat sich verändert

Bern - Ertränkten die Ärmeren in Zeiten der Industrialisierung ihre Sorgen und Nöte vor allem im Schnaps, greifen die Schweizer heute lieber zur Wein- oder Bierflasche, zeigt eine Broschüre der Eidgenössischen Alkoholverwaltung. Spirituosen machten von 1880 bis 1884 neben Bier, Wein und Obstwein fast einen Drittel des gesamten Alkoholkonsums aus. Heute beträgt der Schnapsanteil 16 Prozent respektive rund 263.000 Hektoliter pro Jahr.

Die EAV erklärt den früheren hohen Schnapskonsum mit den sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen zur Zeit der Industrialisierung. Während der hoch konjunkturellen "Gründerzeit" der beginnenden 1870er Jahre entwickelte sich laut EAV eine Form kollektiver Trunksucht.

Schnaps galt besonders in den ärmeren Bevölkerungsschichten als Betäubungsmittel und Nahrungsersatz. Das rief sozial engagierte Kreise auf den Plan, und der Bund schritt mit seiner 1884 begonnenen Alkoholgesetzgebung gegen den Missbrauch ein. (APA/sda)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.