Bolivien: Hugo Banzer Suarez

6. August 2001, 14:03
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Er prägte 30 Jahre Bolivien - Für Menschenrechtsverletzungen nie zur Rechenschaft gezogen

La Paz - Der bolivianische Präsident und frühere Diktator Hugo Banzer Suarez tritt am Montag aus gesundheitlichen Gründen von seinem Amt zurück. Der Krebskranke war am Samstagabend aus den USA in seine Heimat zurückgekehrt. Der 75-jährige Banzer und seine Frau Yolanda Prada wurden auf dem Flughafen von Santa Cruz de la Sierra, 900 Kilometer östlich des Regierungssitzes in La Paz, von Vizepräsident Jorge Quiroga empfangen.

Banzer hat Bolivien drei Jahrzehnte entscheidend geprägt und sich dabei vom grausamen Militärdiktator zum bekennenden Demokraten gewandelt. 1971 putschte er sich erstmals gegen den linksgerichteten General Juan Torres an die Macht. Auf internationalen Druck hin setzte er 1978 Wahlen an und übergab die Regierungsgewalt wieder Zivilisten.

Anschließend kämpfte er fast 20 Jahre mit friedlichen Mitteln für die Rückkehr an die Spitze des verarmten Landes. Der Erfolg kam 1997, als er nach der Präsidentenwahl vom Parlament zum Staatschef gewählt wurde. Banzer wurde am 10. Mai 1926 als Sohn eines Großgrundbesitzers mit deutschen Vorfahren in Concepcion geboren. Nach dem Schulabschluss schlug er die militärische Laufbahn ein. Schon in den 60er Jahren war Banzer als begabter Offizier ein politischer Faktor im Lande.

Der Militär und Politiker, der für die Menschenrechtsverletzungen unter seiner Diktatur nie zur Rechenschaft gezogen wurde, hat seinen Kritikern immer sein demokratisches Verhalten der vergangenen 20 Jahre entgegen gehalten. Auch seine Gegner räumen ein, dass er die Demokratie gestärkt habe. Nach zwei Wahlen, 1985 und 1989, stellte Banzer seine eigenen Ambitionen hintenan und ermöglichte im Parlament Mehrheiten für gegnerische Kandidaten und erwies sich anschließend als kooperativer Oppositionsführer.

Seine 1997 begonnene Amtszeit stand jedoch von Anfang an unter keinem guten Stern. Die Koalitionsregierung aus Banzers nationalistischer Partei ADN, der linken MIR und einer weiteren populistischen Partei musste wegen Korruptionsvorwürfen mehrmals umgebildet werden. Außerdem löste das auch unter dem Druck der USA betriebene Programm zur Vernichtung illegaler Koka- und Mohnfelder, die den Rohstoff für Kokain und Heroin liefern, Rebellionen der armen Bauern aus.

Quiroga soll Banzers Nachfolger werden, sobald das Parlament in La Paz den Rücktritt des kranken Staatschefs angenommen hat. Anschließend wollte Banzer seine Chemotherapie im Walter-Reed-Militärkrankenhaus in Washington fortsetzen. Dort wurde er seit dem 1. Juli wegen Lungenkrebs behandelt. (APA/dpa)

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