Serbischer Premier ringt um Finanzhilfe und Popularität

6. August 2001, 13:13
posten

Kommentatoren vergleichen Djindjic mit Ex-Präsident Milosevic

Belgrad - Der serbische Reformpremier Zoran Djindjic hat soeben zum zweiten Mal das deutsche Wochenmagazin "Der Spiegel" genutzt, um darauf hinzuweisen, dass seine Reformpläne scheitern würden, wenn Serbien die zugesprochene Finanzhilfe nicht schon im August bekommt. Djindjic versucht derzeit in den USA den Microsoft-Gründer Bill Gates dazu bewegen, die Regionalvertretung seines Konzerns von Laibach nach Belgrad zu versetzen. Zu Hause wird der Regierungschef inzwischen sowohl mit dem Ex-jugoslawischen Ministerpräsidenten Ante Markovic als auch mit dem früheren jugoslawischen Staatschef Slobodan Milosevic verglichen.

Historische Vergleiche

Es scheine, als ob sich Djindjic in einer ähnlichen Situation befinde wie seinerzeit Ante Markovic, der letzte jugoslawische Ministerpräsident (1989-1991), meint der Spitzenfunktionär der Vojvodina-Koalition (DOS-Mitglied), Marijan Risticevic ("Blic", Sonntagausgabe). Die Reformpläne Markovics waren vor gut zehn Jahren am Widerstand der politischen Führer der damaligen Teilrepubliken gescheitert.

In der Wochenzeitschrift "Vreme" hat der politische Philosoph Djordje Vukadinovic in einer Analyse auf eine Reihe von "politischen, keineswegs belanglosen Ähnlichkeiten" zwischen dem früheren jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic und Djindjic hingewiesen, hat jedoch eine totale Kontrolle des politischen Raumes durch den letzteren, wie dies Milosevic Anfang der neunziger Jahre gelungen war, völlig ausgeschlossen.

Eine Frage des Image

Sowohl Milosevic wie auch Djindjic hätten ihren politischen Aufstieg auf dem Image der "wirksamen Problemlösung" aufgebaut, meint Vukadinovic. "Sie haben (über)betonten Willen zur Macht und machen den Eindruck, dass sie bereit sind, dafür auch Ideen und Menschen aufzuopfern", meinte der Analytiker. Vukadinovic hat auch das "elastische Verhalten zur Rechtsordnung, Verfassungsmäßigkeit und Gesetzlichkeit", das für beide Politiker kennzeichnend sei, notiert.

Djindjic, dessen Popularität in Serbien - etwa zehn Prozent der Bürger sind seine Anhänger - nur einen kleinen Teil jener des jugoslawischen Präsidenten Vojislav Kostunica (zwei Drittel der Bürger) ausmacht, hatte allerdings erst kürzlich in den Augen der Öffentlichkeit besser abgeschnitten als sein Kontrahent: Die Auslieferung des früheren jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic an das UNO-Tribunal in Den Haag schadete zwar dem Ansehen des DOS-Bündnisses, Djindjic, der die Verantwortung dafür übernommen hatte, stand aber in der Öffentlichkeit besser da als Kostunica, der wird mitbehauptete, von den serbischen Regierungsplänen keine Ahnung gehabt zu haben. (APA)

Share if you care.