Zum Totentanz zieht es WissenschafterInnen nach Admont

6. August 2001, 12:42
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Phänomen soll in seinen Erscheinungsformen interdisziplinär beleuchtet werden

Graz - Zu einem Kongress mit makabrer Thematik zieht es Anfang September Psychoanalytiker und Mediziner, Kunsthistoriker, Musik- und Literaturwissenschafter, Historiker und Theologen in die Obersteiermark: Die Thematik des "Totentanzes" steht im Mittelpunkt der interdisziplinären Veranstaltung, die vom 6. bis zum 9. September im Benediktinerstift Admont stattfinden wird. Das Rahmenprogramm bilden die szenische Aufführung von zwei Totentanzspielen und eine Exkursion zum Totentanzmuseum in Kärnten (Metnitz), so Organisator Winfried Schwab.

"Wir haben uns zum Ziel gesetzt, das seit dem Mittelalter bekannte künstlerische Phänomen Totentanz in seinen Erscheinungsformen quer über die Jahrhunderte hinweg interdisziplinär zu beleuchten", so der Benediktiner. Er gehört seit einigen Jahren der "Europäischen Totentanzvereinigung" mit Sitz in Düsseldorf an. Damit ist er der einzige Mönch, der Mitglied der in Frankreich, der Schweiz, den Niederlanden, Italien, Skandinavien und in Deutschland etablierten Vereinigung ist, die sich seit rund 30 Jahren um die Sammlung, Pflege und wissenschaftliche Aufarbeitung dieses nahezu ganz Europa umfassenden Phänomens kümmert. Zu den Mitgliedern zählen Wissenschafter aus den unterschiedlichsten Fachbereichen ebenso wie interessierte Laien. "Es wäre schön, wenn es uns im Rahmen des Kongresses gelingen würde, auch eine österreichische Sektionsgründung vorzubereiten", so der Frater Winfried.

Sterblichkeit vor Augen

"Der Totentanz ist eine kulturelle Erscheinung des ausgehenden Spätmittelalters, die in Bild und Text dem Menschen seine unausweichbare Sterblichkeit vor Augen führt", erläutert der Benediktinermönch. Angeführt vom personifizierten Tod tanzen Mann und Frau, Kaiser und Bettler, Reich und Arm, Alt und Jung dem Gericht Gottes entgegen. Diese vor allem unter dem Eindruck der großen Pestepidemien entstandenen, mit Texten versehenen Bilderzyklen auf Friedhofmauern, in Kirchen, auf Brücken und in frühen Drucken prägten bald das Bewusstsein breiter Bevölkerungsschichten. Der Gedanke des alle Menschen bedrohenden jähen Todes fand dann insbesondere in der frühen Neuzeit, im Barock und im 20. Jahrhundert eine bemerkenswert reichhaltige Gestaltung in allen künstlerischen Genres. "Malerei, Skulptur, Literatur, Musik bis hin zum Film, Musical und Video-Clip nehmen sich auch heute noch dieser Thematik an", so Schwab. (APA)

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