Börsenguru: Wall Street crasht heute

7. August 2001, 15:25
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Österreichische Finanzmarktexperten wollen nicht an angekündigte Revolutionen glauben

Wien - Die neuesten US-amerikanischen Produktivitätszahlen könnten am Dienstag die Wall Street zum Straucheln bringen - zumindest glaubt das der Crash-Guru Albert Edwards, globaler Chefstratege bei der Investmentbank Dresdner Kleinwort Wasserstein. An der Wall Street, an der die wichtigsten US-amerikanischen Unternehmen notiert sind, rechnet Wasserstein mit einem Minus von mehr als 20 Prozent. Grund dafür seien die zu erwartenden schwachen Zahlen zur Produktivität in der US-Industrie im ersten Quartal.

Das treibt heimischen Finanzmarktexperten höchstens ein Lächeln ins Gesicht. Peter Brezinschek von der Raiffeisen Zentralbank (RZB) sagt: "Angesagte Revolutionen finden nie statt. Ich sehe keine Crash-Gefahr. Eine solche tritt üblicherweise in Zeiten der Hochkonjunktur ein, wenn die Kurse ohnehin hoch sind. Diese Meldung jetzt ist ein Marketinggag."

Mutiger Vorstoß

Monika Rosen von der Asset Mangament Gesellschaft der Bank Austria gibt sich etwas zurückhaltender, die Tendenz ist aber dieselbe: "Die Produktivitätszahlen werden heute sicher enttäuschen. Ein Ökonom geht beispielsweise von plus 1,6 Prozent für das erste Quartal aus. Das ist die Hälfte von dem, was in der zweiten Hälfte der Neunzigerjahre üblich war. Daran knüpft Edwards wahrscheinlich seine These." Dieser Teil der Überlegungen sei nachvollziehbar. Rosen: "Es ist aber mutig, einen Crash auf den Tag genau vorherzusagen."

Im Übrigen, meint die Expertin, reiche eine Kennzahl nicht aus, um zu beurteilen wie weit die US-amerikanische Wirtschaft sich schon aus der Talsohle entfernt habe. Die Kapitalanlagegesellschaft Swiss Life Asset Management hofft auf einen leichten Aufschwung in der zweiten Jahreshälfte, darauf ließen konjunkturelle Frühindikatoren in den USA schließen, heißt es im Marktbericht.

Hoffnungsschimmer

Schon jetzt flattern den US-Haushalten die Briefe mit den von Präsident George W. Bush versprochenen Steuergutschriften ins Haus. Insgesamt zahlt der Staat seinen Bürgern 40 Mrd. Dollar (45,4 Mrd. €/ 624,7 Mrd. S) zurück. Pro Haushalt macht das je nach Größe 300 bis 600 Dollar aus. Und davon erwarten sich nun die Experten einen kleinen Schub nach oben für die abgeschwächte Konjunktur. (Esther Mitterstieler, DER STANDARD, Printausgabe 7.8.2001)

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