Leopold Steiner wieder in Österreich

6. August 2001, 17:09
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Exchef von bankrotter Holding zwei Monate nach Flucht am Brenner an Exekutive übergeben

Linz/Innsbruck - Leopold Steiner, ehemaliger Seniorchef des Ebenseer Kunststoffbetriebes Steiner Industries, ist seit Montag im Gewahrsam der österreichischen Justiz. Der 57-Jährige wurde gegen Mittag von den italienischen Behörden am Grenzübergang Brenner an österreichische Beamte übergeben.

Nach seiner Überstellung in die Justizanstalt Wels soll er erstmals befragt werden. Steiner, für den die Unschuldsvermutung gilt, wird schwerer gewerbsmäßiger Betrug vorgeworfen, insgesamt soll sich der Schaden auf bis zu fünf Milliarden Schilling (363,36 Mio. €) belaufen.

Bei seiner Ankunft in Tirol soll Steiner laut Augenzeugen deutlich abgemagert und von der Haft gezeichnet gewesen sein. Empfangen wurde er von Tiroler Gendarmen und zwei Beamten aus Oberösterreich, die auch die Überstellung nach Wels durchführten.

Prozess im Herbst Die zuständige Welser Staatsanwältin Ulrike Althuber ist zuversichtlich, dass es noch im Herbst zu einem Verfahren gegen Steiner und seinen ebenfalls in Haft befindlichen Sohn Alfred kommt. "Die Vorwürfe lassen sich sehr schön in einzelne Bereiche gliedern, daher rechne ich damit, dass wir schon im September beginnen können", erklärte sie am Montag. Insgesamt soll in vier bis fünf Teilen verhandelt werden.

Nachdem die Steiner-Gruppe im Mai in die Insolvenz geschlittert war, hatte der Mehrheitseigentümer, die britische Investmentfirma Duke Street, eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft übermittelt. Das brachte die Ermittlungen in Gang.

Nach der Verhaftung von Alfred Steiner wurde auch gegen dessen Vater Leopold ein Haftbefehl erlassen. Der ehemalige Seniorchef kam daraufhin aus einem Urlaub in Italien nicht mehr zurück und versteckte sich stattdessen gemeinsam mit seiner Gattin am Gardasee, wo er Anfang Juli von der italienischen Exekutive verhaftet wurde. Seither war er in Verona inhaftiert gewesen. Erst in den letzten Tagen wurde er nach Bozen überstellt.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Steiners vor, durch Bilanztricks einen höheren Firmenwert vorgetäuscht und Geld abgezweigt zu haben. Auch Wechselbetrügereien sollen stattgefunden haben. Die Anwälte der Familie wiesen diese Vorwürfe bisher stets als "aus der Luft gegriffen" zurück.

Nach Angaben des Kreditschutzverbandes von 1870 (KSV) belaufen sich die Gesamtverbindlichkeiten der sechs Firmen des Steiner-Imperiums, die Konkurs anmelden mussten, auf 4,5 Mrd. S. ( Michael Möseneder, DER STANDARD, Printausgabe 7.8.2001)

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