"Israelische Friedensbewegung gibt es doch noch"

6. August 2001, 10:39
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"Harter Kern" ist nicht mehr sprachlos - Eine Minderheit mit Potenzial

Tel Aviv/Berlin - "Israel ist wieder dort angekommen, wo es vor den Friedensverhandlungen mit den Palästinensern war: Es ist eine Nation, die um ihr Leben kämpft in einer feindlichen Welt. Und die israelische Linke ist wieder geschrumpft auf eine kleine Minderheit, die sie - vor Oslo - auch schon immer war", schreibt der israelische Publizist Tsafrir Cohen am Montag in der deutschen "tageszeitung" (taz). Aber der "harte Kern" der Friedensbewegung habe jetzt seine "Sprachlosigkeit" verloren.

Rund zehntausend Anhänger der Friedensbewegung "Frieden jetzt" hatten am Samstagabend vor dem Sitz des israelischen Verteidigungsministeriums in Tel Aviv gegen die jüngste Eskalation des Konflikts demonstriert. Sie forderten von der Regierung die Beendigung der Besatzung des Westjordanlandes und des Gaza-Streifens.

"Aussöhnung mit den Palästinensern muss sein"

"Eigentlich hatte damit niemand mehr gerechnet: Es gibt die israelische Friedensbewegung doch noch. (...) Auch das letzte Mal - vor Oslo - hatte die Friedensbewegung klein angefangen; doch zwischendurch schien sie die Mehrheit der Israelis überzeugt zu haben, dass eine Aussöhnung mit den Palästinensern sein muss", schreibt Cohen. "Allerdings kam diese Überzeugung buchstäblich über Nacht abhanden. Als die Verhandlungen zwischen (Premier Ehud) Barak und (Palästinenser-Präsident Yasser) Arafat in Camp David scheiterten, lief die Bevölkerungsmehrheit zum 'Falken' (Ariel) Sharon über. Von diesem Meinungsumschwung blieben auch die 'Tauben' der Friedensbewegung nicht unberührt."

"Alte Zweifel wurden wach - selbst in der Friedensbewegung: Arafat habe den Vertrag (in Camp David) nicht unterschrieben, weil er eigentlich das ganze historische Palästina beanspruche und Israel, den 'kolonialen' Dorn, aus dem Fleisch der arabischen Welt entfernen wolle. Angesteckt von der nationalen Hysterie und erschreckt über ihre schlechten Werte in den Meinungsumfragen, übertrumpften sich die Führer der Arbeiterpartei gegenseitig mit rechten, 'sicherheitsrelevanten' Sprüchen."

"Wenn die Weltöffentlichkeit resolut deutlich macht, dass sie eine Aussöhnung wünscht und dies nur zu den völkerrechtlichen Bedingungen akzeptiert - Aufgabe der Siedlungen, aber garantierte Existenz für Kern-Israel - dann könnte die Mehrheit der Israelis für einen Dialog mit den Palästinensern gewonnen werden. Wie schon einmal." (APA)

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