Vorbilder & Nachbilder

9. August 2001, 12:49
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Anja Hasenlechner auf den Spuren der neuen Medienkünstlerinnen

Seit den Siebzigerjahren ist die Beteiligung von Frauen an der Video- und Medienkunst extrem hoch und konnte den Frauenanteil in anderen Kunstdisziplinen deutlich übertreffen. In den vom "männlichen Künstler-Genie" unbelasteten neuen Medien bot sich Künstlerinnen die Möglichkeit, eine eigene Geschichte zu schreiben und eine eigenständige emanzipatorisch-feministische Ästhetik zu entwickeln.

Die Kunsthistorikerin Anja Hasenlechner analysiert in ihrem Buch die Positionen von zwölf österreichischen Medienkünstlerinnen von 1986 bis heute. Dabei geht sie den medienimmanenten Themenstellungen wie Immaterialität, Virtualität, Interaktivität, Simulation, Simultaneität sowie der Problematik der Reproduzierbarkeit auf den Grund.

Ausgehend von der Pionierin der österreichischen Medienkunst Valie Export nähert sich Hasenlechner der zweiten Videogeneration (Gudrun Bielz, Ruth Schnell, Romana Scheffknecht) und gelangt über die Dokumentarfilmerin Anna Steininger hinein in die "pluralistischen" Neunzigerjahre, die Interaktivität und den Einsatz des Computers brachten.

Die Protagonistinnen der virtuellen Räume sind Constanze Ruhm, Eva Grubinger und Christine Meierhofer. Die neuen Erzähltechniken bei Uli Aigner münden in die absolute Freiheit im Umgang mit dem eigenen Körper bei Elke Krystufek und stoßen in Grenzbereiche zu Tanz, Sound und Performance bei Carola Dertnig vor.

Dem historisch-theoretischen Teil des Buches folgen zahlreiche Farbabbildungen ausgewählter Werke und informative Interviews der Autorin mit den Künstlerinnen, die auf dokumentarische Weise deren Strategien authentisch zum Ausdruck bringen. (Matthias Raftl)

Anja Hasenlechner
Vorbilder & Nachbilder
Triton Verlag, Wien 2001
176 S./ 260 S / EURO 18,89
ISBN 3901310878

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