Das Minenfeld der Supraleiter betreten

6. August 2001, 09:49
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Theoretiker sehen in Silber und Fluor neue Quelle

Ithaca - US-Forscher der Cornell University glauben, dass Verbindungen aus Silber und Fluor eine vielversprechende Quelle für Hochtemperatursupraleiter bilden könnten. Ihre Vermutungen begründen sie mit theoretischen Strukturanalysen dieser Substanzen, wie sie in der Fachzeitschrift "Angewandte Chemie" schreiben. Bisher wird der Rekord für die Sprungtemperatur in den Zustand des widerstandslosen Leitens von Strom von Verbindungen aus Kupfer, Sauerstoff und anderen Elementen wie Barium oder Yttrium gehalten.

"Die Analogie zu den Cupraten, unterstützt von detaillierten Berechnungen, ist so stark, das wir eine recht hohe Sprungtemperatur erwarten", meint der Chemiker und Nobelpreisträger von 1981, Roald Hoffmann. "Es wäre das erste Mal, dass Theoretiker eine Gruppe von Supraleitern vorhersagen, bevor andere Forscher diese im Experiment entdeckt haben", hebt er heraus. "Aber ich bin mir bewusst, dass wir damit ein Minenfeld betreten." Die Ähnlichkeiten zwischen den Silber- und den bekannten supraleitenden Kupfer-Verbindungen ist lange Zeit nicht entdeckt worden, weil diese neuen Substanzen ziemlich exotisch sind. Die ersten Silber-Fluor-Verbindungen wurden erst in den 70er-Jahren synthetisch hergestellt.

"Ich bin von dieser Vorhersage begeistert, weil ich in Silberfluorid-Systemen bereits ein magnetischen Verhalten beobachtet habe, das sich mit der mit Existenz einer supraleitenden Phase vertragen würde", beurteilt Neil Bartlett, Chemieprofessor der University of California in Berkeley den Vorstoß von Hoffmann. Nun bleibt abzuwarten, ob sich die vielversprechenden Vorhersagen der US-Forscher im Experiment bestätigen lassen oder nicht. (pte)

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