Interbrew schluckt deutsche Traditionsbrauerei Beck

6. August 2001, 19:11
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Globalisierung auf dem Biermarkt geht unaufhaltsam weiter

Brüssel/Bremen - Der belgische Bierauereikonzern Interbrew will Deutschlands größte Exportbrauerei Beck & Co ("Beck's") für 3,5 Milliarden Mark komplett übernehmen. Beck passe sehr gut in die Strategie von Interbrew, lokale Marken zu übernehmen und zu entwickeln, erklärte Interbrew-Chef Hugo Powell am Montag in einer Mitteilung. Beide Seiten hätten sich am Sonntag geeinigt. Die Übernahme steht noch unter dem Vorbehalt der Beck-Gesellschafter und der Wettbewerbsbehörden.

Die 67 Gesellschafter der Bremer Traditionsbrauerei hatten vor einem Monat den Verkauf beschlossen und sie mit dem Investitionsbedarf für eine notwendige Expansion begründet. Interbrew ist nach mehreren Zukäufen inzwischen bei einer Jahresmenge von 76,4 Millionen Hektolitern die Nummer zwei auf dem Weltbiermarkt und beschäftigt weltweit 34.000 Menschen. Der belgische Brauerei hatte erst kürzlich das deutsche Unternehmen Diebels übernommen.

Beträchtliches Potenzial

Den Kauf von Beck begründete Interbrew vor allem mit dem Erfolg der wichtigsten Bremer Biermarke Beck's. Sie biete als Premiumbier ein beträchtliches Potenzial und stärke die Premiumbier-Sparte von Interbrew. "Interbrew's wichtigste Marke Stella Artois und Beck's werden zusammen zehn Prozent des Weltmarkts bei Premiumbieren vereinigen", sagte Finanzvorstand Luc Missorten am Montag in einer Telefonkonferenz. Er sprach von einem angemessenen Preis, der rund zehn Prozent über dem von Analysten bereits als sehr hoch eingestuften Preisspekulationen im Vorfeld der Einigung liegt.

Als viertgrößte deutsche Brauerei setzte Beck im vergangenen Jahr 5,7 Millionen Hektoliter Bier ab, wovon rund 4,5 Millionen Hektoliter auf die Marke Beck's entfallen. 60 Prozent davon wurden in 120 Länder exportiert, womit ist Beck die größte Ausfuhrbrauerei in Deutschland ist. Die gesamte Beck-Gruppe machte eine Jahresumsatz von 1,66 Mrd. DM (849 Mill. Euro/11,68 Mrd. S). Die Zustimmung der 67 Beck-Gesellschafter zur Übernahme wird in den nächsten Wochen erwartet.

Wettbewerbsbedenken

Nach Angaben aus Branchenkreisen könnte die Übernahme noch in Großbritannien auf Wettbewerbsbedenken stoßen, da Stella Artois dort das meistverkaufte Premiumbier und Beck's bereits die Nummer drei sei.

Als potenzielle Käufer für die Beck-Gruppe waren zuvor neben Interbrew auch Anheuser-Busch aus den USA, Scottish and Newcastle aus Großbritannien und die South African Breweries im Gespräch. Die Beck-Gesellschafter wollten mit Hilfe eines Investors der 128 Jahre alten Brauerei die fehlende Finanzkraft für die aus ihrer Sicht notwendige Expansion geben. Ziel war, mit einer Übernahme die 3.700 Beschäftigten der Gruppe erhalten zu können. Hierzu machten beide Unternehmen am Montag noch keine Angaben. (APA/Reuters)

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