Sharon fordert UNO-Material zu Soldatenentführung

6. August 2001, 08:47
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Hisbollah verweigert Auskunft

Jerusalem - Israel fordert von den Vereinten Nationen sämtliches Beweismaterial, das Hinweise über das Schicksal von drei im vergangenen Jahr von der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah verschleppten Soldaten geben könnte. Das sagte Ministerpräsident Ariel Sharon nach Angaben des israelischen Rundfunks am Montagmorgen in einem Telefonat mit UNO-Generalsekretär Kofi Annan. Die UNO hatte am vergangenen Freitag zugegeben, dass sie im Besitz eines Videobandes ist, das Aufschlüsse über den Zustand der Soldaten und die Umstände ihrer Entführung Anfang Oktober 2000 geben könnte.

Die Hisbollah hat jede Auskunft darüber verweigert, ob die drei israelischen Soldaten noch am Leben sind. In Hisbollah-Kreisen in Beirut wurde am Samstag bestätigt, dass weiterhin Verhandlungen über einen Gefangenentausch mit Israel laufen. Die Europäische Union hatte für das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) Zugang zu den israelischen Gefangenen gefordert.

Die vom Iran finanzierte und gesteuerte Hisbollah-Miliz hatte die drei israelischen Soldaten im Dreiländereck Israel-Libanon-Syrien im Gebiet der so genannten Shebaa-Ländereien entführt; außerdem hat sie einen 54-jährigen israelischen Geschäftsmann, den sie als Oberst des Geheimdienstes Mossad bezeichnet, in ihrer Gewalt.

Hisbollah-Chef Scheich Hassan Nasrallah hatte die Geheimverhandlungen über einen Gefangenenaustausch im Juli als blockiert bezeichnet. Israels Premier "Sharon wäre ein Narr, sollte er sich einbilden, dass wir Zugeständnisse machen könnten, ohne die Befreiung von Abdel Karim Obeid und Mustafa Dirani zu erreichen", sagte Nasrallah. Der Schiitenführer Obeid war 1989, Dirani 1994 von israelischen Kommandos aus dem Libanon entführt worden. Die beiden Männer sitzen ohne Gerichtsverfahren in israelischen Hochsicherheitsgefängnissen.

Neben dem deutschen Bundesnachrichtendienst hatte sich auch der österreichische Verteidigungsminister Herbert Scheibner bemüht, einen Gefangenenaustausch zwischen Israel und der Hisbollah zu erwirken. Im Dezember 1999 waren durch deutsche Vermittlung fünf gefangene Hisbollah-Angehörige aus Israel mit einer Lufthansa-Maschine über Frankfurt am Main nach Beirut ausgeflogen worden. (APA/dpa/Reuters)

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    foto: epa/nackstrand
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