Steirische VP denkt über Abschaffung des "Homo-Paragraphen" nach

6. August 2001, 19:36
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Kärntner Volkspartei gesprächsbereit, aber gegen Aufhebung

Graz/Klagenfurt - Die steirische ÖVP tritt für die Aufhebung des so genannten Homosexuellen-Paragraphen 209 ein. Klubobmann Reinhold Lopatka nannte die Bestimmung "überholt" und forderte eine Abschaffung. Der Paragraph 209 sieht vor, dass sexuelle Beziehungen von erwachsenen Männern mit Burschen unter 18 Jahren strafbar sind. Der Strafrahmen beträgt bis zu fünf Jahren Haft.

"Sachlich nicht gerechtfertigt"

Wenn ein 40-jähriger Mann eine Beziehung mit einer 15-Jährigen habe, sei das straffrei, das Verhältnis eines 20-Jährigen mit einem 15-Jährigen dagegen strafbar: "Das ist meines Erachtens sachlich nicht gerechtfertigt", meint Lopatka. Derzeit ist die Bundespartei zwar noch nicht bereit, den Paragraphen zu streichen, was sich laut Lopatka aber noch ändern könnte. Einige ÖVP-Politiker würden seit Monaten durch Österreich touren, um einen Meinungsumschwung zu erreichen, wird der Klubobmann zitiert. Die steirische schwullesbische ARGE "Rosalila PantherInnen" zeigte sich in einer ersten Reaktion über den Vorstoß Lopatkas erfreut. Die Bundes-ÖVP solle "endlich den steirischen Weg" einschlagen und sich nüchtern mit diesen Fragen auseinander setzen.

Kärntner VP zu § 209 gesprächsbereit

Landesobmann der Kärtner VP Georg Wurmitzer hingegen hält die Abschaffung des Paragraphen oder Herabsetzung des Schutzalters bei Burschen auf 14 Jahre für nicht sinnvoll. "Aber ich wäre dafür, als Kompromiss für beide Geschlechter ein Schutzalter von 16 Jahren einzuführen."

Nein zu Ehe

In einem anderen gesellschaftspolitischen Streitpunkt gibt sich aber auch die steirische ÖVP aber nach wie vor zugeknöpft. Der Homosexuellenehe können Lopatka und Freunde nichts abgewinnen. Im Gegensatz dazu scheint eine Mehrheit der Bevölkerung zu stehen. Laut einer Meinungsumfrage von profil würden es 45 Prozent befürworten, wenn in Österreich eine ähnliche Regelung wie in Deutschland geschaffen würde, wo "amtlich registrierte Partnerschaften" von Homosexuellen erlaubt wurden. 38 Prozent sind dagegen.

(red)

(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6./7.8. 2001)

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