Wolfgang Kössner: Vorläufiges Ende einer steilen Karriere

6. August 2001, 14:34
posten
"Wir sind keine Yuppies. Wir haben eine Menge Highflyer gesehen, die wieder abgestürzt sind. Und wir haben auch die Unternehmen gesehen, die von solchen Yuppies in den Abgrund gewirtschaftet wurden." Das sagte Wolfgang Kössner vor fünf Jahren, damals mit 28 Jahren bereits erfolgreicher Börsenprofi, Vorstandsmitglied und Mitbesitzer einer Unternehmensgruppe mit 20 Tochterfirmen in elf Staaten. Dazu war er noch stolzer Schlossbesitzer am Wörthersee und Multimillionär. Aus eigener Kraft, wie er immer betonte.

Am Freitag wurde Kössner zusammen mit drei anderen Geschäftspartnern verhaftet. Der Verdacht der Staatsanwaltschaft: Anlagebetrug in Millionenhöhe. Angezeigt wurde Kössner von seinem ehemaligen Geschäftspartner, der Hypo Alpe-Adria-Bank.

Der Börsehändler Wolfgang Kössner wollte nie als Yuppie bezeichnet werden - und doch liest sich sein Lebenslauf so, als hätte Hollywood daran gearbeitet. Mit knapp 20 Jahren Wertpapierhändler der Raiffeisen-Zentralbank, und dann eine geniale Entscheidung: Er gründete eine Brokergesellschaft in Prag, die Eastbroker AG. Außer der Creditanstalt hatte damals, zu Beginn der 90er-Jahre, sonst niemand viel Interesse an tschechischen Aktien. So wurde er Gründungsmitglied der Prager Börse. Er steckte sein gesamtes Geld in das Unternehmen: "Manchmal war dafür dann unser Eiskasten leer", schilderte er dem Wirtschaftsmagazin trend.

Doch dann läutete das Telefon und hörte nicht mehr auf: "Plötzlich wollten alle tschechische Aktien." Die Eastbrokers "machten in den Jahren 1992 und 1993 ein Vermögen", erzählen heute Banker, die zu langsam waren.

Was in Prag funktioniert, geht auch an den anderen Ostbörsen, schlossen Kössner und seine Partner. Und gaben den Startschuss für ein affenartiges Wachstumstempo, das schließlich in einem unübersehbaren Firmengeflecht aus Immobilientöchtern und Auslandstöchtern endete. Als nobler Firmensitz wurde 1996 das Schloss Freyenthurn am Wörthersee um fast 40 Millionen Schilling erworben.

Doch in den Jahren danach waren schwarze Zahlen in den Bilanzen eher die Seltenheit, und auch die Aktivitäten im Immobilienbereich wurden von der Branche immer misstrauischer beobachtet: Der Verkauf des Wiener Palais Auersperg um nur 40 Millionen Schilling war "einfach unverständlich, das war viel mehr wert", so ein ehemaliger Geschäftspartner.

Die Übernahme der WMP Bank aus Kössners Firmengeflecht durch Investoren zweifelhafter Herkunft verbesserte das Bild nicht. Nun ermittelt das FBI wegen Anlagebetrugs. Ob Kössner damit auch etwas zu tun hat oder ob er Intrigen zum Opfer gefallen ist, wie er behauptet, müssen nun die Gerichte klären. (Michael Moravec, DER STANDARD, Printausgabe 6.8.2001)

Share if you care.