Im Ohrensessel: Ziemlich viel Rache

6. August 2001, 15:51
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Drei rasant geschriebene, actiongeladene Bücher
Leif Davidsen, Der Fluch der bösen Tat.
Milos Urban, Die Rache der Baumeister.
Richard Rayner, Der Sinn der Rache.

Die Gesetze der Marktwirtschaft gelten auch für Killer. Wer gut ausgebildet und risikofreudig ist, findet immer einen hochdotierten Job. Das weiss Vuk, Soziopath, trainiert in der ehemaligen jugoslawischen Armee, allzugut. Seit der Abschlachtung seiner Familie durch Moselms schwer traumatisiert, verdingt er sich als global einsetzbarer Attentäter. Der aktuelle Auftrag: eine unbotmäßige, von den iranischen Mullahs zum Tode verurteilte Schriftstellerin zu töten. Die Frau will in Dänemark einen öffentlichen Auftritt inszenieren, weil sie es satt hat, sich vor geifernden Fundamentalisten ein Leben lang zu verstecken. Ausserdem kennt sie die Vorsitzende des dänischen PEN-Clubs, eine ehrgeizige Kulturjournalistin.

Nicht, dass die heimischen Politiker von diesem Coming-out begeistert wären. Das kleine, hübsche, wohlaufgeräumte Land braucht keine Störungen. Sich wegen einer Schriftstellerin mit einem Staat zu zerkrachen, dem Menschenrechte zwar egal sind, der aber wirtschaftlich wichtig ist, liegt nicht in ihrer Absicht. Erst das Geld, dann die Moral. Und so kann man sich auch nur halbherzig dazu durchringen, der Schriftstellerin ausreichend Schutz angedeihen zu lassen. Ein mediengeiler Provinzpolitiker verrät den Auftritt der Schriftstellerin vorschnell an die Presse und der Showdown kann beginnen.

Davidsens detailreiche Innenansicht eines allzu biederen Staates, fehlender Courage und öffentlicher Heuchelei ist rasant geschrieben, plausibel, voll Action und ganz schön zornig.
(Ingeborg Sperl)

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Leif Davidsen, Der Fluch der bösen Tat. Aus dem Dänischen von Peter Urban-Halle. öS 291,-/ EURO21,15/ 340 Seiten. Zsolnay, Wien 2001.


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