BBC: Strenge Sprachregeln?

5. August 2001, 19:48
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Palästinensischer Informationsminister spricht von "Heuchelei"

Der palästinensische Informationsminister Yasser Abed Rabbo hat den britischen Rundfunksender BBC der "Heuchelei" bezichtigt. Die BBC beuge sich bei ihren Berichten über die Tötung mutmaßlicher palästinensischer Attentäter israelischem Druck und vermeide bewusst den Begriff "Ermordung", kritisierte Abed Rabbo am Sonntag in Ramallah. Stattdessen spreche sie wie die israelische Regierung von "gezielten Tötungen".

Der Londoner Sender hatte bereits am Samstag einen Bericht des britischen "Independent" als "irreführend" zurückgewiesen, wonach den Mitarbeitern bei der Berichterstattung über den Nahost-Konflikt strenge Sprachregeln auferlegt wurden.

Nach einem von der Zeitung zitierten internen BBC-Memorandum soll nur noch beim Tod hochrangiger Politiker von "Ermordung" gesprochen werden. Diese Regelung sei auf diplomatischen Druck hin erfolgt.

Der Sender dementierte daraufhin, Angriffe auf Palästinenser verharmlosen zu wollen. Allerdings räumte er ein, der Begriff "Ermordung" solle für den Tod hochrangiger geistlicher oder politischer Anführer reserviert bleiben. Grund sei jedoch nicht israelischer Druck, es handle sich vielmehr um eine "routinemäßige Sprach-Diskussion" innerhalb der BBC. (APA)

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