Der Kampf um Salzburg

5. August 2001, 20:14
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Querschnitt mit Fleisch - Heimische Skulptur - Trend- und Problemthemen

Wiens Galeristinnen erobern die Stadt Salzburg im Handstreich, es entbrennt ein erbitterter Kampf zwischen Eingeborenen und Invasoren, bis am Schluss der Standard auftritt und die Streitparteien trennt. Doch wird der Waffenstillstand von Dauer sein?

Myriam Charim, frisch getrennt von ihrem Kombattanten Hubert Klocker, hält die Stellung am Bug des AVA-Hofes, der mit Krinzinger und Krobath Wimmer fest in Wiener Hand ist (nur Suse Wassibauer hält sich dort noch verschanzt). Allwöchentlich lässt sie neue Regimenter aufmarschieren, und die Eingeborenen ziehen eingeschüchtert die Köpfe ein. Begonnen hat sie mit einem Querschnitt durch ihr Programm, aus dem neben bekannten Größen wie Erwin Bohatsch und Milica Tomic auch eine Neuentdeckung buchstäblich herausragte: Beatrix Bakondy, die den männlichen Willen, in den Raum hinter der Leinwand durchzudringen, umkehrt. Bei ihr ist der Körper bereits hinter der Leinwand und dehnt diese plastisch nach außen. Körperbetont ging es auch letzte Woche weiter, als Max Boehme in einem Solo seine Malerei des Fleisches vorführte. Boehme ist ein Tarner und Täuscher, sobald man einen Schenkel, einen Arm oder bloß eine Speckfalte erkannt hat, löst sich diese schon wieder in abstrakte Schlieren auf. Virtuos ist da ein Hilfsausdruck. (wag)
AVA-Hof, Ferdinand-Hanusch-Platz 1, Infos: (0664) 212 01 45. Bis 31. 8.

Heimische Skulptur

Die Reihen dicht geschlossen heißt es deshalb bei Ferdinand Altnöder. Mit skulptur.at liefert er einen komprimierten, dicht gestellten und gehängten Rückblick auf ein halbes Jahrhundert österreichischer Skulptur. Der beginnt nicht bei Wotruba, sondern Oswald Oberhubers "objets trouvées", setzt also auf Konzepte anstelle von Statuarik. Gerhard Rühm, Lois Weinberger und Erwin Wurm sind da wichtige, mit Schlüsselwerken vertretene Gewährsleute, aber weil Altnöder ein Mann der Kompromisse ist, zeigt er auch einen köstlich komischen Bronzebuddha von Siegfried Anzinger. Ist auch gut so. Außerdem hat Altnöder noch Josef Kerns "Private Parts" in die Räume des Sammlers Josef Neuhauser ans rechte Salzachufer geschickt, quasi als Vorhut, den Wiener Amazonen zur Abschreckung. Also schwellende Brüste, Schwänze, Ärsche, mit wollüstig geschnitzten Goldrahmen versehen. Barocker Eierstab, wörtlich genommen. (wag)
Sigmund-Haffer-G. 3/1, 5020 Salzburg, Tel.: (0662) 84 14 35. Bis 8. 9.
Black Dragon Society, Schwarzstr. 16/2. Bis 1. 9.

Trend- und Problemthemen

Die eigentliche Vorhut findet sich in der Galerie 5020 mit "our perfect dream". Die österreichisch-australische Koproduktion handelt flott und poppig neuere und ältere Trend- und Problemthemen ab: die Isolation und den Cyberspace, den Körper und den Rassismus. Besonders hip und shocking: die hysterisierte Selbstdarstellung von Toastgirl, einer Art japanischer Pipilotti Rist, und Linda Ercegs beklemmende Computeranimation "Skin Pack" aus den "Quake series", wo sich in einem riesigen Rasterkäfig Lara-Croft-Mutantinnen gegenseitig niederknallen, bis nur mehr blutige Klumpen überbleiben. Die Schlacht ist geschlagen, und Lady Macbeth ist tot. (wag)
Sigmund-Haffner-G. 12/1, (0662) 84 88 17. Bis 11. 8.

(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6. 8. 2001)

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