Fischler sorgt sich um den Agrarwettbewerb

5. August 2001, 19:36
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EU will Handel unter die Lupe nehmen

Brüssel - EU-Agrarkommissar Franz Fischler will nach einem Focus-Bericht den Handel in der EU wegen steigender Fleischpreise und einer hohen Konzentration genauer unter die Lupe nehmen. Er habe mehr und mehr die Sorge, "dass in großen Teilen des Agrarsektors der Wettbewerb nicht funktioniert", sagte Fischler.

Bauern verdienen am wenigsten

"Der niedrige Erzeugerpreis verschwindet auf dem Weg vom Stall ins Geschäft." Die Bauern erhielten infolge der BSE-Krise für Bullen derzeit 18 Prozent weniger als im Vorjahr. Eigentlich müssten deshalb die Ladenpreise für Fleisch sinken, doch "Verarbeiter und Handel schlagen deutlich höhere Gewinnmargen auf, um bei geringeren Umsätzen auf denselben Profit zu kommen", so Fischler. Fischler kritisierte auch die wachsende Konzentration in Industrie, Verarbeitung und Handel. Bei Düngemitteln existierten in Europa nur wenige Anbieter, alle Molkereien Schwedens seien unter einem Dach, ebenso alle Schlachthöfe in Dänemark. In Deutschland setzten die fünf größten Supermarktketten 90 Prozent aller Lebensmittel um. "De facto entscheiden fünf Manager, was auf die Ladentheke kommt und zu welchem Preis."

Deshalb wolle er zusammen mit EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti "das System vom Acker bis zur Ladentheke" untersuchen. Der Hauptverband des deutschen Einzelhandels (HDE) übte unterdessen heftige Kritik an Fischlers Absichten. Verbandssprecher Hubertus Pellengahr sagte am Samstag, es sei ein "ungeheuerlicher Vorwurf", dem Einzelhandel ungerechtfertigte Preiserhöhungen zu unterstellen. Pellengahr sagte, Ursache für den Preisanstieg sei eine Verknappung der Rohstoffe infolge von BSE und Maul- und Klauenseuche. "Dass dann der Preis steigt, ist eine normale Reaktion." (APA, dpa)

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