Tschertschessow sieht Tiroler als leichte Favoriten

7. August 2001, 19:57
posten

Der ehemalige Spartak Moskau Torwart sieht größten Pluspunkt bei den Fans

Innsbruck - Ein russischer Bär in Tiroler Lederhosen glaubt fest an den FC Tirol. Stanislaw Tschertschessow, Torhüter des österreichischen Fußball-Meisters, ließ vor dem Hinspiel in der Champions League-Qualifikation in Ramenskoje gegen Lok Moskau (3:1 für Lok) keine Zweifel aufkommen: Tirol ist für den Russen Favorit für den Einzug in die lukrative Hauptrunde.

Tschertschessow, bei Spartak Moskau groß geworden, kennt Lok Moskau, hat Tirol-Trainer Kurt Jara aber kaum sportliche Tipps über den Gegner gegeben. Dafür waren die Spione Manfred Linzmaier und Günther Rinker zuständig, die das 4:1 im Stadtderby über Dynamo und das 1:1 bei Samara sahen. Der Torhüter nützte seine Beziehungen und die Sprachkenntnisse, um die Reise zu organisieren, von den Dressenfarben bis zu Unterbringung oder Fragen der Trainingszeiten.

Der 37-Jährige, nach seiner schweren Verletzung im Herbst 2000 derzeit nur die Nummer drei hinter Marc Ziegler und Heinz Weber, verfolgt die russische Meisterschaft laufend über die verschiedensten Medien. Und er sieht die Vorteile beim FC Tirol. "Für mich ist Tirol 51:49 Favorit. Lok ist nicht ein Hammerlos wie Barcelona oder Lazio Rom", erklärte der 51-fache Teamspieler. Auch nicht vergleichbar mit dem Vorjahr, als Tirol an CF Valencia, dem zweifachen Finalisten, scheiterte.

Das Kollektiv überzeugt bei Lok

Lok Moskau ist für Tschertschessow eine kompakte Truppe, bei der das Kollektiv überzeugt. Das Problem ist aber - wie prinzipiell bei russischen Topklubs - dass es keinen herausragenden Spieler gibt: "Die großen Vereine werden nie einen Torschützenkönig stellen. Sie haben keine Spieler wie Raul bei Madrid oder wir mit Gilewicz, die Partien im Alleingang entscheiden können."

Auch nicht die zwei Afrikaner, obwohl Obiora, ein Goalgetter aus Nigeria, schon acht Treffer auf seinem Konto hat. Die Stars sind Igor Tschugainow, aktueller Teamlibero, und Torhüter Ruslan Nigmatullin, mit beiden hat der Tirol-Keeper selbst noch zusammengespielt. "Das ist uninteressant, ich bin Profi genug, mein Herz hängt derzeit nur bei Tirol", beteuert Tschertschessow.

Lok Moskau am Tivioli neu unter Druck

Den größten Vorteil sieht "Stani" bei den Anhängern. "In Russland wird es kaum Druck von den Fans geben, da kommen ganz wenig Zuschauer", ist er überzeugt. Denn das Lokomotive-Stadion wird umgebaut, daher wurde die Partie nach Ramenskoje verlegt, 60 km südöstlich von Moskau. "Da haben wir mit einem ausverkauftem Tivolistadion im Rückspiel einen großen Vorteil. So eine Stimmung ist Lok Moskau nicht gewöhnt. Diesen Druck kennt die Mannschaft nicht", sagt Tschertschessow.

Ein bisschen Sorgen bereitet ihm, dass seine eigenen Kollegen zuletzt nicht voll gefordert wurden, besonders bei der "so genannten" Generalprobe. Souverän bezwang Tirol die Admira 6:0. "Was mir nicht passt ist, dass alles zu leicht ging. Das ist kein Fußball, wenn die Spannung fehlt. Wir wurden nicht gefordert, mögliche Schwachstellen bei Tirol wurden nicht aufgezeigt. Wir wissen nicht, wo wir stehen", meint er. (APA)

STECKBRIEF LOKOMOTIVE MOSKAU

gegründet 1923 als KOR (Klub Oktjabrzkoj Revoluciji)

Viermal russischer Pokalsieger (1996, 1997, 2000 und 2001)

Zweimal Pokalsieger in der Sowjetunion (1936 und 1957)

Der Klub war noch nie Meister, zuletzt (1999, 2000) zwei Mal Vizemeister

Die Stars: Dmitry Loskow (in der Saison 2000 russischer Torschützenkönig), Ruslan Nigmatullin (russischer Teamtorhüter), Igor Schugainov (Kapitän)

Trainer: Yuri Syomin

UMFRAGE

Schafft Tirol den Aufstieg in die Champions League?

TERMINE

Hinspiel 7. August (20 Uhr), Rückspiel 21. August (20 Uhr 30)

LINKS

Champions League

Lokomotive Moskau

FC Tirol

ZUM THEMA

Osim glaubt an die Chance der Tiroler

Share if you care.