Boliviens krebskranker Präsident Banzer erklärte Rücktritt

6. August 2001, 18:30
posten

Entschuldigung bei Gegnern der Militärdiktatur

Sucre - Der krebskranke bolivianische Präsident Hugo Banzer hat am Montag in einer von Emotionen gekennzeichneten Rede seinen Rücktritt erklärt. "Meine Krankheit verbietet es mir, das Land weiter zu regieren", sagte der 75-Jährige sichtlich bewegt unter großem Beifall bei einer Rede in der alten Kolonialstadt Sucre. Bei der feierlichen Sitzung entschuldigte er sich auch bei den Gegnern seiner Militärdiktatur in den 70er-Jahren.

Obwohl Banzer bereits deutlich von der Krankheit und der Chemotherapie gezeichnet war, sprach er etwa eine halbe Stunde mit fester Stimme. Zum Abschluss übergab der scheidende Staatschef die Insignien der Macht, die rot-gelb-grüne Präsidentenschärpe, eine Kette und den Präsidentenstab seinem Nachfolger, dem Vizepräsidenten Jorge Quiroga. "Mir kommt es so vor, als ob ich meine Aufgabe nicht erfüllt hätte", sagte Banzer.

Viele der verarmten Bolivianer setzen nun alle ihre Hoffnungen auf den 41-jährigen Quiroga. Er sollte die Nachfolge an der Spitze des Andenstaates offiziell an diesem Dienstag bis zur nächsten regulären Präsidentenwahl im August kommenden Jahres antreten. Quiroga ist ein Ingenieur mit langer internationaler Erfahrung und gilt als nicht korrupt. Seine wichtigsten Aufgaben werden es sein, die Armut zu bekämpfen, den Konflikt mit gut organisierten Koka-Bauern beizulegen und ausländische Investoren vor allem für die Förderung von Erdgasvorkommen zu gewinnen.

Banzer war erst am Samstag an Bord einer US-Militärmaschine in seinem Heimatland eingetroffen. Bereits am Mittwoch sollte er in die USA zurückkehren, wo er seit dem 1. Juli in dem Militärkrankenhaus Walter Reed in Washington behandelt wird. Der starke Raucher leidet an einem Lungentumor, der inzwischen auch auf die Leber übergriffen hat.

Banzer hatte sich erstmals 1971 an die Macht geputscht und das Land bis 1978 mit eiserner Faust regiert. Damals ließ er vor allem linke Oppositionelle verfolgen. Auf internationalen Druck hin kündigte er 1978 Neuwahlen an, bei denen er nicht antrat. In den 90er Jahren gründete Banzer eine politische Partei und wurde 1997 zum Präsidenten des Landes gewählt. Allerdings wuchs der Unmut an seiner Amtsführung zunehmend.

Die Vernichtung von Koka-Feldern im Rahmen der Drogenbekämpfung löste im April vergangenen Jahres eine Rebellion der verarmten Landbevölkerung aus. Wochenlang blockierten Demonstranten immer wieder wichtige Fernstraßen und es kam zu Versorgungsengpässen in den Städten.

Mehr als 40 Prozent der knapp acht Millionen Einwohner sind Hochlandindios und fast 25 Prozent der Bevölkerung sind Analphabeten. Das Bruttosozialprodukt pro Einwohner beträgt nur knapp 800 Dollar (909 Euro/12.502 Schilling). (APA/dpa/AP)

Share if you care.