China gibt schweres Grubenunglück zu

4. August 2001, 20:11
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Wochenlang war der Tod von 76 Bergleuten vertuscht worden

Peking - Zweieinhalb Wochen nach einem Grubenunglück in Südchina haben die Behörden am Samstag erstmals eingeräumt, dass dabei 76 Menschen ums Leben kamen. Zunächst war der Unfall noch dementiert worden, dann war von einem Zwischenfall die Rede, bei dem niemand ums Leben gekommen sei. Am Samstag meldete die kommunistische Parteizeitung "Renmin Ribao", bei dem Unglück in Lajiapo in der Provinz Guangxi seien 70 Arbeiter getötet worden, weitere 200 würden noch vermisst.

Die Grubenarbeiter hätten am 17. Juli in einen stillgelegten, mit Wasser gefüllten Schacht gebohrt, schrieb die Zeitung. Dies habe eine Sturzflut ausgelöst, ein Entkommen sei nicht möglich gewesen. Das Parteiorgan machte keine Angaben über die Anzahl der Arbeiter, die sich im Stollen befanden. In ihrem Internetauftritt zitierte die Zeitung aber einen 28-jährigen Überlebenden, der von 400 Personen sprach.

Am vergangenen Montag hatte eine Zeitung in Schanghai die Nachricht zuerst verbreitet und berichtet, den Familien der Opfer seien ca. 37.000 Schilling für ihr Stillschweigen bezahlt worden. Die Regierungsbehörde für Industriesicherheit wies den Zeitungsbericht als frei erfunden zurück. Auch die Verantwortlichen der Mine bestritten einen Unfall. Am Mittwoch bestätigten die Provinzbehörden zwar einen Unfall, allerdings mit der Einschränkung, dass niemand getötet, verletzt oder eingeschlossen worden sei. Zwei Tage später veröffentlichte die Zeitung "Renmin Ribao" im Internet eine Namensliste von zwölf Bergbauarbeitern, die bei den Arbeiten ums Leben gekommen sein sollen.

Die Kommunalverwaltung in den Bergbaugebieten habe aus Furcht vor Steuerverlusten verhindert, dass die Regierung in Peking Bergwerke schließt, schrieb "Renmin Ribao" auf ihrer Webseite. Die Eigner der Mine zahlten nach Informationen der Zeitung im vergangenen Jahr 80 Millionen Yuan Steuern. Der Manager des Unternehmens sei mittlerweile verhaftet worden. (APA/AP)

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