49 Personen in Genua noch in Untersuchungshaft

4. August 2001, 15:51
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Zuständige Staatsanwälte ziehen Bilanz der zweiwöchigen Ermittlungen

Rom/Genua - Von den 301 Personen, die bei den Krawallen beim G-8-Gipfel in Genua festgenommen worden sind, befinden sich noch 49 in U-Haft. Zu diesen Personen - mehrheitlich Ausländer - zählen auch die 16 österreichischen Mitglieder der "VolxTheaterKarawane", die am 22. Juli festgenommen worden waren. Dies berichtete der Oberstaatsanwalt von Genua, Francesco Meloni, der am Samstag mit Journalisten eine Bilanz der zweiwöchigen Untersuchungen um die Vorfälle in Genua gezogen hat.

Meloni berichtete, dass die Untersuchung in mehrere Teile gegliedert worden sei. Die Staatsanwälte ermitteln im Todesfall des 23-jährigen militanten Globalisierungsgegners Carlo Giuliani, der am 20. Juli beim Angriff auf einen Land Rover der Polizei von einem Carabiniere erschossen wurde. Untersuchungen laufen auch in Zusammenhang mit der Explosion einer Paketbombe, die zwei Tage vor Beginn des Gipfels in Genua einen Carabiniere schwer verletzt hatte. Die Staatsanwälte untersuchen auch die angeblichen Misshandlungen seitens der Polizei bei der Durchsuchung des Hauptquartiers der pazifistischen Globalisierungsgegner "Genoa Social Forum" (GSF) und bei der Vernehmung mehrerer Festgenommener in der Polizeistation von Bolzaneto.

Meloni und seine Mitarbeiter führen außerdem eine ausgedehnte Untersuchung über die Rolle, die die Anarchistengruppe "Black Block" bei den Verwüstungen in Genua gespielt hat. In diesem Zusammenhang laufen auch die Ermittlungen gegen die Aktivisten der "VolxTheaterKarawane", die festgenommen worden waren, als sie mit ihrem Bus Genua verlassen wollten. Ihnen werden außer Verbindungen zum "Black Block" auch Verwüstung und Plünderung vorgeworfen.

Zu den Festgenommenen zählen auch 23 deutsche Staatsbürger. Der deutsche Innenminister Otto Schily bekundete am Samstag in einem Interview mit der römischen Tageszeitung "La Repubblica" sein volles Vertrauen in die italienische Justiz. Seiner Ansicht nach müsse man die "extremistischen Militanten" bestrafen, die Genua verwüstet haben. Zugleich müsse Italien aber auch eventuelle Gewaltexzesse der Polizei klären. Schily begrüßte den Einsatz einer parlamentarischen Untersuchungskommission, die ab Montag die Vorfälle in Genua beleuchten soll. (APA)

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