Kosovo: Streit zwischen USA und Europa im KFOR-Stab

4. August 2001, 14:51
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Wegen militärischer Informationen herrsche laut Medienberichten "Krieg"

Hamburg/Berlin - Der Umgang mit militärisch relevanten Informationen im NATO-geführten Kosovo-Einsatz ist zwischen USA und Europäern offenbar stärker umstritten als bisher vermutet. Unter Berufung auf Aussagen hoher deutscher Offiziere berichtet das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" in seiner neuen Ausgabe, im multinationalen Stab der NATO-geführten Kosovo-Truppe KFOR in Prizren herrsche "zeitweise regelrecht Krieg" um den Zugang zu und die Bewertung von sensiblen militärischen Daten. Das deutsche Verteidigungsministerium nahm keine Stellung zu dem Bericht.

Die Zustände in Prizren lösten laut "Spiegel"-Bericht im deutschen Verteidigungsministerium Besorgnis aus. Es gehe um den Vorwurf, die USA arbeiteten im Verbund mit den Briten "in diesem hoch empfindlichen und politisch entscheidenden Bereich gegen den Rest der Verbündeten". Das militärische Nachrichtenwesen werde ungeachtet aller Zuständigkeiten von den USA dominiert, Berichte würden auch in ihrem Sinne manipuliert. Den europäischen Verbündeten würden entscheidende Informationen vorenthalten. Sie würden mit "unbedeutendem Material gefüttert".

Vorgänge wie beispielsweise die Umtriebe der im Kosovo offiziell aufgelösten und in Mazedonien operierenden Albanermiliz UCK und die möglichen Gefahren neu aufflammender Konflikte werden laut Bericht von den übrigen Nationen in fast allen Aspekten anders eingestuft als durch die US-Militärs. Das Problem ist laut "Spiegel" Bundeswehr-Generalinspekteur Harald Kujat bekannt. Das Thema sei bereits "Gegenstand mehrerer mahnender Gespräche" mit den KFOR-Partnern gewesen. Die letzten habe der zuständige Abteilungsleiter im Verteidigungsministerium, Brigadegeneral Peter Röhrs, noch vergangene Woche geführt.

Bereits in der Vorwoche hatte das deutsche Magazin berichtet, dass unter den europäischen NATO-Verbündeten der Unmut über die "zwielichtige" Balkan-Politik der Amerikaner und deren enges Verhältnis zur UCK wachse. Aus Geheimdienstberichten, die der deutschen Regierung vorliegen, gehe unzweideutig hervor, dass eine albanische "Kamarilla", die das Vertrauen der Amerikaner genieße, den Konflikt in Mazedonien anheize. Die UCK dürfe, so hätten westeuropäische Geheimdienste herausgefunden, mit einem eigenen Funkkreis sogar das exklusive Kommunikationssystem der Amerikaner nutzen.

"Deutsche Soldaten, die rigoros gegen UCK-Leute vorgingen, die trotz Verbots Waffen trugen, wurden von oben zurückgepfiffen", heißt es in dem Bericht. "Vergebens warnte der deutsche KFOR-Kommandeur Klaus Reinhardt vor neuen Umtrieben der Untergrund-UCK. Die Amerikaner blieben auf Schmusekurs." (APA/AP)

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