Weitläufige Sperre im Obersulzbachtal

4. August 2001, 17:25
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Drittes Opfer derzeit nicht zu bergen - Gendarmerie erhebt, wer für Weg und Markierungen zuständig ist

Salzburg - Im Obersulzbachtal in Neukirchen am Großvenediger (Pinzgau) wurde das Gebiet, in dem am Freitag drei bayerische Bergsteiger den Tod fanden, mit Sperrbändern weitläufig abgesperrt. Derzeit erhebt die Gendarmerie, wer für den Weg und die Markierungen zuständig ist. Mit einer Schuldzuweisung habe dies freilich nichts zu tun, wird betont. Eine Markierung sei zwar verlockend, bedeute aber noch lange nicht, dass der Weg sicher sei, meinte ein Gendarm am Posten Neukirchen am Großvenediger. Auf der Kürsingerhütte sei sogar ein Schild angebracht, auf dem stehe: "Weg nicht gewartet. Absturzgefahr."

Das Unglück

Eine zehnköpfige Wandergruppe - acht Männer und zwei Frauen - war am Freitag kurz nach Mittag unweit der Kürsingerhütte unterhalb der so genannten "türkischen Zeltstadt" von herabfallenden Geröllmassen überrascht worden. Die miteinander befreundeten deutschen Bergsteiger waren in den Morgenstunden des gleichen Tages gemeinsam mit mehreren Pkw aus Städten wie Erlangen, Nürnberg, Köln und Coburg angereist und hatten das Wochenende auf der Kürsingerhütte verbringen wollen.

Die Gruppe stieg dann nicht direkt vom Tal zur Hütte auf, sondern wollte anscheinend vorher noch einen Abstecher zum Gletscher machen. Auf dem Weg zur Kürsingerhütte gerieten sie dann auf den kritischen Weg.

Hohlraumeinsturz

Was drei der zehn Deutschen das Leben kostete, war streng genommen keine Steinlawine sondern laut Landesgeologe Rainer Braunstingl der Einsturz eines Hohlraumes: Die hohen Temperaturen der vergangenen Wochen haben dazu geführt, dass das unter dem Schuttkegel liegende Eis der Gletscherzunge geschmolzen ist. Just in dem Augenblick, als sich die Bergsteigergruppe über der kritischen Stelle befand, brach ihnen der Untergrund unter den Füßen weg, riesige Felsblöcke stürzten etwa zwei Meter in die Tiefe, ebenso große Brocken donnerten nach.

Der 39-jährige Verwaltungsangstellte Friedrich Jakob B. aus Erlangen, die 36-jährige Birgit G., ebenfalls aus Erlangen, sowie der 47-jährige Beamte Reinhard W. aus Ammerndorf hatten keine Chance, die drei Bayern wurden von den Felsen erschlagen. Wann die Leiche Reinhard W.s vom Berg geholt wird, ist ungewiss: Nach wie vor ist das Gelände völlig unstabil, eine Bergung des Mannes, der unter einem Felsbrocken von der Größe eines Kleinlasters begraben liegt, würde für die Einsatzkräfte Lebensgefahr bedeuten. "Wir holen den heraus, sobald es die Witterung erlaubt", betonte Katastrophenreferent Kurt Reiter, dazu müssten aber erst die Temperaturen deutlich absinken.

Nach Ansicht des Landesgeologen war dieses Ereignis nicht vorhersehbar, "das ist höhere Gewalt", so Braunstingl. Auch am Gendarmerieposten Neukirchen gibt man zu bedenken: "Ein hochalpines Gelände kann man nicht so absperren wie eine Straße." Zudem "arbeite" der Gletscher: "Da verändert sich ständig alles", meinte ein Gendarm. (APA)

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