Nordkorea weiterhin gegen eigene Raketen- Tests und US-Pläne

4. August 2001, 17:49
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Kim Jong Il zu Besuch in Moskau - Gorbatschow erinnern die Sicherheitsmaßnahmen an Stalins Zeiten

Moskau - Nordkorea will nach russischen Angaben bis 2003 auf Raketentests verzichten. Dies bekräftigte der nordkoreanische Parteichef Kim Jong Il am Samstag im Gespräch mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in Moskau, wie Putins außenpolitischer Berater Sergej Prichodko mitteilte. In einer von den beiden Staatsführern unterzeichneten gemeinsamen Deklaration heißt es, das Raketenprogramm Pjöngjangs bedrohe niemanden, der die Souveränität Nordkoreas respektiere.

Demonstratives Bekenntnis zum ABM-Vertrag

Russland und Nordkorea haben sich demonstrativ zum ABM-Vertrag von 1972 bekannt. Dieser sei der "Eckstein der strategischen Stabilität und die Grundlage für den weiteren Abbau strategischer offensiver Waffen", erklärten Putin und Kim Jong Il. Die USA wollen eine landesweite Raketenabwehr aufstellen, um sich gegen Staaten wie Nordkorea zu schützen, die in der amerikanischen Propaganda als "Schurkenstaaten" bezeichnet werden. Dazu zählen auch der Irak und der Iran.

Kim Jong Il hatte erklärt, amerikanische Ängste vor einem nordkoreanischen Raketenangriff seien unbegründet. "Die USA wollen unter Hinweis auf eine 'Raketengefahr', die angeblich von uns und anderen Staaten ausgeht, ein Raketenabwehrsystem aufbauen und dafür den ABM-Vertrag aufkündigen. Der amerikanische Lärm um die angebliche Bedrohung durch unser Land ist völlig unbegründet", sagte er der russischen Nachrichtenagentur ITAR-TASS.

Russische Unterstützung

Russland hat Nordkorea Unterstützung beim Wiederaufbau der Industrie und der Verkehrswege in Aussicht gestellt. "Die Moskauer Deklaration, die wir heute signieren, ist das Ergebnis der von uns geleisteten einjährigen Arbeit", sagte Putin, der im Juli 2000 Nordkorea besucht hatte. Nach den Worten Kim Jong Ils zeugt die Deklaration davon, dass die beiderseitigen Beziehungen auf die Zukunft ausgerichtet seien.

Vor der Zusammenkunft mit Putin hatte sich der nordkoreanische Parteichef in das Lenin-Mausoleum auf dem Roten Platz begeben, um vor dem Sarkophag des Gründers des Sowjetstaates einen Kranz mit der Aufschrift "Von Kim Jong Il für Lenin" niederzulegen. Seit dem Ende der Sowjetunion 1991 hatte nach russischen Medienangaben kein ausländischer Staatsgast mehr das Lenin-Mausoleum besucht. Kim Jong Il war am Vorabend nach einer neuntägigen Reise mit einem Sonderzug in der russischen Hauptstadt eingetroffen. Ein Bombenalarm hatte am Freitag die Vorbereitungen für den Empfang in Moskau überschattet.

"So etwas hat es seit Stalin nicht mehr gegeben"

Der letzte sowjetische Präsident, Michail Gorbatschow, hat die Sicherheitsvorkehrungen anlässlich des Staatsbesuchs als völlig übertrieben kritisiert. "Solche Maßnahmen hat es seit Stalins Zeiten nicht mehr gegeben", sagte Gorbatschow am Samstag der Nachrichtenagentur Interfax. Präsident Wladimir Putin sei dadurch in eine "peinliche" Lage geraten. Kim war neun Tage lang mit dem Zug nach Moskau gereist.

Der Zugverkehr wurde dadurch erheblich gestört: Für Kims Ankunft am Freitagabend wurde ein Moskauer Bahnhof vier Stunden lang gesperrt. Am Samstag war der Rote Platz ebenfalls für mehrere Stunden abgeriegelt, als der Nordkoreaner als erster ausländischer Staatschef seit dem Zerfall der Sowjetunion einen Kranz am Lenin-Mausoleum niederlegte. Wenn Kim Montag früh in Sankt Petersburg eintrifft, werden die Züge auch im dortigen Bahnhof für drei Stunden still stehen. (APA/Reuters/AP)

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