Unwetter von Bayern über Tschechien bis Polen

4. August 2001, 16:04
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Gewitterstürme forderten mindestens drei Tote - Zugsverkehr streckenweise lahmgelegt

München/Warschau/Prag - Gewitterstürme mit sintflutartigen Regenfällen haben in Deutschland und einigen Nachbarländern drei Todesopfer gefordert und eine Spur der Verwüstung hinterlassen. In Bayern wurde am Freitag ein Radfahrer von einem Baum erschlagen. Es gab mindestens zwei Schwer- und 50 Leichtverletzte, dazu noch unabsehbare Sachschäden, die in mehrstellige Millionenhöhe gehen dürften.

Auch in Südböhmen in Tschechien wurde ein junger Mann von einem entwurzelten Baum erschlagen. In der westpolnischen Stadt Srednica starb ein 67 Jahre alter Mann, als ein Blitz in den Schornstein seines Hauses einschlug. Drei Menschen wurden zum Teil schwer verletzt.

Chaos in Bayern

In Bayern sprach die Polizei unverhohlen von "Chaos". Vor allem im Raum Bad Tölz, aber auch in den Landkreisen Miesbach, Rosenheim sowie Traunstein und Garmisch-Partenkirchen hatte das Unwetter gewütet. Dort bot sich teilweise noch am Samstagvormittag ein Bild, das an Fernsehberichte über Tornadoschäden in den USA erinnerte: Regelrecht zerfetzte Bäume und Strommasten, demolierte Autos, abgedeckte Dächer, niedergepeitschte Felder. Die Polizei sprach von Hagelkörnern in 5-Mark-Stück-Größe. Vielerorts wurden die Schneepflüge wieder aus den Depots geholt, um die Straßen notdürftig passierbar zu machen.

Etwa 150.000 Menschen in Oberbayern mussten die Nacht zum Samstag ohne Strom verbringen. Vor allem im Raum Bad Tölz arbeiteten die Helfer am Samstag mit Hochdruck, um die Stromleitungen wieder zu reparieren. Dennoch wird es voraussichtlich bis Montag dauern, bis auch der letzte Privathaushalt wieder am Netz ist. Noch am Samstagmittag war in Wackersberg im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen die Wasserversorgung gestört. Schmutzwasser war in das Trinkwassersystem eingedrungen. Die Bevölkerung wurde von der Polizei aufgerufen, nur noch abgekochtes Wasser zu verwenden.

Zugsverkehr lahmgelegt

Wegen abgerissener Oberleitungen mussten Züge auf freier Strecke anhalten. Bei Übersee an der Strecke München-Salzburg mussten 300 Zugreisende in Busse umsteigen. Noch am Samstagvormittag waren laut Deutscher Bahn immer noch zwei Strecken unbefahrbar. Zudem ist schon jetzt absehbar, dass das Unwetter auch große Ernteschäden verursacht hat. Bauern klagen vor allem über zerstörte Mais- und Getreidefelder.

Bei dem Unwetter in Tschechien waren in weiten Landesteilen Straßen überflutet, Dächer abgedeckt und Stromleitungen durchtrennt worden. Die Rettungskräfte waren auch am Samstag noch im vollen Einsatz. In Westpolen gerieten während des schweren Regensturms in zahlreichen Ortschaften Straßen und Keller unter Wasser. Allein in Breslau (Wroclaw) musste die Feuerwehr 300 Mal ausrücken, um überflutete Keller leer zu pumpen.

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