Hilfe, Katzen-Allergie?!

5. August 2001, 23:26
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Allergisches Asthma ist kein Kinderspiel: Neue Erkenntnisse sollten Allergiker und ihre Zimmertiger aufatmen lassen

Abgesehen von einer drohenden chronischen Sauerstoff-Unterversorgung des gesamten Organismus kann die krampfartige Verengung der Bronchien beim akuten Anfall wirklich lebensbedrohend werden. Und die Zahl der Allergiker steigt: Rund 900.000 Österreicher sind von einer Allergie betroffen, zum Glück haben längst nicht alle Asthma, aber auch Hautallergien wie Neurodermitis können dramatische Folgen haben. Prinzipiell kann fast alles eine Allergie auslösen, besonders häufig fungieren Pollen, Hausstaubmilben oder auch Tierhaare als Auslöser für Schnupfen, tränende Augen, Hautausschlag oder Atemnot. Vor allem die "Katzenhaarallergie" ist verbreitet, wobei genau genommen nicht die Haare, sondern der auf diese durchs Putzen geratene Speichel der Katze die allergische Reaktion auslöst. In der Regel ist auch eine der ersten Fragen des Arztes, wenn er eine Allergie diagnostizieren muss, ob eine Katze im Haushalt des Patienten lebt. Und immer wieder wird geraten, das Tier "abzuschaffen", auch wenn noch gar nichts erwiesen ist.

Verantwortungsvolle Ärzte verordnen vorerst genaue Tests. Denn gerade Kinder kann das Weggeben der geliebten Katze seelisch sehr belasten. Und "unnötig" sollte kein Zimmertiger sein Zuhause verlieren. Doch auch dort, wo eine tatsächliche Allergiebelastung durch Katzen vorliegt, ist es keineswegs immer notwendig, die Katze wegzugeben. Wie in der Zeitschrift "Aufwind" der österreichischen Lungen-Union berichtet wird, sind "Katzenhaarallergene" nämlich so klein und leicht, dass sie nahezu überall zu finden sind - auch dort, wo es gar keine leibhaftigen Katzen gibt, im öffentlichen Raum -, sogar in der Antarktis. Allerdings sollten Katzenhaarallergiker ihre Allergie keinesfalls ignorieren, unbehandelt könnte sie sich bis zum Asthma aufschaukeln. Experten raten dazu, eine Desensibilisierung durchzuführen. Untersuchungen in Dänemark und Schweden zeigten, dass danach die Allergieempfindlichkeit bei 94 (!) Prozent der Patienten deutlich abnahm.

Und auch die Medizin-Fachzeitschrift The Lancet berichtet Wichtiges für Katzenhaarallergiker. Während bislang empfohlen wurde, Kinder, in deren Familien Allergien auftraten, vorsorglich von Zimmertigern fernzuhalten, gibt es nun neue Erkenntnisse. Experten des Asthma and Allergic Deseases Center an der Universität von Virginia stellten fest, dass der frühkindliche Kontakt mit Katzen zu einer Immunantwort führt, welche allergisches Asthma verhindert. Es zeigte sich sogar, dass die Rate an allergischen Sensibilisierungen umso niedriger lag, je intensiver der Kontakt zu Katzen war.

Eine Parallele zu österreichischen Daten: In ländlichen Gegenden liegt die Allergierate weit niedriger als in den Städten - auf dem Land haben die Kinder eben noch intensiven Kontakt mit dem lieben Vieh - auch mit Katzen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4./5. 8. 2001)

Von Andrea Dee
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