"Kein Grund zur Freude"

3. August 2001, 19:53
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Klagenfurter Uni-Rektor Müller kritisiert Bildungsministerin Gehrer

Wien - "Ich kann mir nicht vorstellen, warum sich Bildungsministerin Gehrer über weniger Studenten freut. Eigentlich läge es in ihrer Verantwortung, die Akademikerrate zu steigern."

Der Klagenfurter Universitätsrektor Winfried Müller kann die Begeisterung über sinkende Studentenzahlen nicht nachvollziehen: "Wir haben eine der niedrigsten Akademikerquoten in Europa. Sogar Australien, das etwas mehr als doppelt so viel Einwohner hat wie Österreich, hat viermal mehr Akademiker." Das vorhandene Potenzial lasse eine Verdoppelung der Akademikerquote (derzeit acht Prozent) in Österreich problemlos zu, meint Müller.

Das Bildungsministerium rechnet damit, dass durch die Einführung der Studiengebühren im Wintersemester rund 70.000 Studenten weniger inskribieren werden.

Applaus für seine Uni-Pläne, die eine Aufwertung der Fachhochschulen (FH) beinhalten, erntete SP-Chef Alfred Gusenbauer von VP-Wissenschaftssprecherin Gertrude Brinek. Sie stimme "Gusenbauer grundsätzlich zu", sei aber verwundert, dass "er sich so für die Fachhochschulen einsetzt. Linke Studenten kritisieren doch sonst, das sei zu verschult." Den 50:50-"Verteilungsschlüssel" der Studenten auf FHS und Unis hält Brinek aber für "zu radikal".

Laut Hochschülerschaft (ÖH) gibt es derzeit dringendere Sorgen - zumindest für die Studierenden. Die ÖH beklagt erste konkrete Opfer der Studiengebühren. Über die eigens dafür eingerichtete Hotline (Tel.: 211 411 41) seien Dutzende Fälle eingegangen, wonach Lernwillige ihr Studium aus finanziellen Gründen beenden müssten, hieß es am Freitag. Unter den Betroffenen fänden sich häufig Berufstätige oder Personen, die Kinder zu versorgen hätten. Außerdem hätten sich viele ausländische Studierende besorgt bei der ÖH gemeldet. Insbesondere Ungarn und Polen seien verunsichert, da sie einen Zahlschein über 10.000 Schilling zugesandt bekommen hätten.

Das Bildungsministerium beruhigte: Studierende dieser beiden Länder sind von den Studiengebühren befreit. (red/DER STANDARD, Print, 4.8.2001)

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