Ein Held und seine Schatten

3. August 2001, 19:16
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Eine 3sat-Reihe ehrt Robert Taylor, der am 5. August 90 Jahre alt geworden wäre

Falls es stimmt, wie der Filmwissenschafter Richard Dyer einmal festgestellt hat, dass sich für männliche Hollywoodstars zwei weit gefasste Prototypen unterscheiden lassen, dann machte Robert Taylor eine Entwicklung vom einen zum anderen durch:

Mit Rollen, die also mehr dem Fach The Good Joe entsprachen, eroberte "The Man With the Perfect Face" in den 30er-Jahren als Romantic Lead neben Schauspielerinnen wie Joan Crawford, Greta Garbo oder Jean Harlow rasch die Herzen des Publikums (und weniger die der Kritiker), um nach dem Zweiten Weltkrieg mit ambivalenteren Figuren - The Tough Guy - einiges dafür zu tun, genau dieses Image wieder los zu werden.

Magnificent Obsession

Geboren wurde Taylor am 5. August 1911 in Filley, Nebraska, mit dem berühmt gewordenen, weil unausprechlichen Namen Spangler Arlington Brugh. Er studierte Cello und Schauspiel, bevor MGM den Mann mit dem stechenden Blick aus schmalen Augen entdeckte - und außerordentliche 25 Jahre behielt. "I've Got a Feelin' You're Foolin'": Gerade ein Song in der Musical-Comedy Broadway Melody of 1936, in der er einen Produzenten gab, sollte ihm bei seinem Aufstieg zum Ruhm behilflich sein, ein heute klassisches Weepie wie John Stahls Magnificent Obsession diesen bald festigen.

Es sind jedoch stets die Brüche in einer Laufbahn, die ihr Dramatik verleihen. David Thomson hat die Wandlung Taylors einmal schön auf den Punkt gebracht: "Hollow, gorgeous youth dwindling into anxiety". Sieht man ihn in Anthony Manns Devil's Doorway, einem der ersten proindianischen Western, als Halbblut gegen die Besiedlung seines Landguts kämpfen oder in Richard Brooks The Last Hunt als schießwütigen Büffeljäger um ein wenig Aufmerksamkeit buhlen, dann fällt sofort auf, wie er das meint:

Quo Vadis?

Der Heroismus dieser Figuren hat keine Basis, sie sind entweder zu früh oder zu spät und immer zu exzessiv in ihrem Handeln. Wie der hinkende Anwalt in Nicholas Rays Party Girl, ein Zyniker, der seine ganze Virtuosität darauf verwendet, Gangster freizureden, ohne je einer von ihnen zu sein. Mitunter sterben diese Helden dann auch so: Charlie Gibson gefriert in The Last Hunt, die Pistole gezückt, zum Denkmal, während er auf sein letztes Duell wartet.

Am Ende seiner Zeit bei MGM standen noch Auftritte in Historien- und Abenteuerfilmen wie Quo Vadis? oder Valley of the Kings - Arbeiten, auf die, wie jetzt bei der 3sat-Reihe anlässlich seines 90. Geburtstages, gerne zurückgegriffen wird. Nicht unerwähnt sollte auch bleiben, dass der Starstatus Taylors als einer der "most enduring stars of the Golden Era of Hollywood" (Ronald Reagan) durch seine Denunziationen vor dem McCarthy-Ausschuss erheblich Schaden erlitten hat. (Dominik Kamalzadeh, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 4./5. August 2001)

4. 8., Das Tal der Könige, 16.05
5. 8., Heißes Pflaster, 0.15
Weitere neun Filme zeigt 3sat bis 1. 9. dienstag- und samstagnachmittags sowie sonntagnachts.
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