Ein Testlauf in der Wirklichkeit

21. November 2001, 11:45
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"Case Study" ist das Zauberwort einer guten Business-School-Ausbildung

"Case Study" lautet das Zauberwort, das als Kernstück jeder guten Business-School-Ausbildung gilt. Statt Theorie zu büffeln, analysieren Studenten einen wirklichen Fall aus der Unternehmenswelt und lernen dabei, wie Manager zu denken. Aber selbst im besten Case lassen sich die Herausforderungen, denen man in der Praxis ausgesetzt ist, nur erahnen.

Der Konsumgüterkonzern Procter & Gamble geht daher seit einigen Jahren einen Schritt weiter und versucht, einer Gruppe von Wirtschaftsstudenten die Realität des eigenen Geschäftes so wirklich wie möglich zu vermitteln. In einem einwöchigen Seminar, das eine Mischung aus Lehr-und Rekrutierungsveranstaltung darstellt, arbeiten die Teilnehmer aus mehreren dutzend Ländern einen Businessplan für eine P&G-Bereich aus und werden durch eine Art Flugsimulator stündlich mit echt wirkenden Problemen aus der Geschäftswelt konfrontiert, für die es keine einfachen Lösungen gibt: Produktionsausfälle in einer Fabrik, das Auftreten neuer Wettbewerber, die noch dazu Preisdumping betreiben, oder plötzliche Preiserhöhungen der für die Herstellung nötigen Rohstoffe.

Unter Zeitdruck

Entscheidungen müssen unter Zeitdruck und Unsicherheit getroffen werden, freilich ohne dass es immer eine richtige Antwort gibt.

Der Wiener Technik- und Wirtschaftsstudent Gerhard Zehentner nahm im Frühjahr an einem solchen "European Financial Seminar" (EFS) in Genf teil, wo das Ziel lautete, den Marktanteil eines flüssigen Geschirrspülmittels in einigen europäischen Ländern deutlich zu erhöhen. Begleitet von Konzernmitarbeitern, die zwar auf Fragen antworteten, aber von sich aus keine Hilfestellung boten.

Im Laufe der Woche wurden die Businesspläne präziser, aber auch die Marktbedingungen immer härter und der Zeitdruck höher, und an einem täglich kalkulierten Aktienkurs konnten die Teilnehmer ablesen, ob sie den Wert des Unternehmens gesteigert oder durch Schnitzer gesenkt hatten.

Schwächen aufgezeigt

Die Übung endete nach fünf Tagen mit einer zweistündigen Präsentation vor einem P&G-Spitzenmanager, der den Studenten freundlich, aber umso klarer die kleinen Schwächen ihrer Arbeit offenlegte. Er habe schon andere Case-Study-Workshops in Österreich mitgemacht, "doch diese Praxisnähe habe ich noch nicht gesehen", sagte Zehentner, der aus seiner beruflichen Zielstrebigkeit keinen Hehl macht.

Für Procter & Gamble sind die EFS vor allem ein Instrument, um die besten Studenten für eine Karriere im zuletzt etwas gebeutelten Konzern zu gewinnen. Denn wer von den rund 5000 Bewerbern für jedes EFS ausgesucht wird, hat ein Jobangebot praktisch in der Tasche. (DER STANDARD, Print-Ausgabe)

Von Eric Frey

Der Konsumgüterkonzern Procter & Gamble bietet seit einigen Jahren "European Financial Seminare" an: Studenten müssen einen Business-Plan erstellen und werden durch eine Art Flugsimulator mit echten Problemen aus der Geschäftswelt konfrontiert, statt nur Theorie zu büffeln.

www.pg.com

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