AUA: Der ÖIAG-Faktor - Von Michael Moravec

3. August 2001, 19:40
posten
Im Frühjahr 1999 brachten die Austrian Airlines im Zuge einer Kapitalerhöhung junge Aktien zum Preis von 27 Euro an die Wiener Börse. Die Emission war zwar kein riesiger Erfolg, dennoch griffen viele Aktionäre zu diesen Konditionen zu. Gute zwei Jahre später ist etwa die seriöse Deutsche Bank der Meinung, dass die AUA-Aktien gerade noch acht Euro wert sind. Sollte diese Einschätzung stimmen, hat das Unternehmen seit 1999 bis zu 70 Prozent seines Wertes eingebüßt, obwohl inzwischen etwa Konkurrent Lauda mehrheitlich übernommen wurde, auf den einträglichen Strecken nach Deutschland durch Zusammenarbeit mit Lufthansa kein Konkurrent mehr vorhanden ist und die Branche allgemein kräftige Zuwachsraten verzeichnet. Ob die AUA des Jahres 2001 wirklich rund 70 Prozent weniger wert ist als die des Jahres 1999, darf bezweifelt werden - und doch sagen die aktuellen Börsenkurse genau das aus. Was in den Kursen nämlich noch zusätzlich enthalten ist, ist das Chaos, das der größte Aktionär, die Republik Österreich, rund um die Airline veranstaltet hat.

Nach den missglückten Versuchen von Ex-ÖIAG-Chef Rudolf Streicher, die Vorstände Herbert Bammer und Mario Rehulka zu entmachten, erklärte Streichers Nachfolger Ditz im heurigen Februar, der AUA-Vorstand habe sein Vertrauen, dessen Vertrag laufe bis 2003. Daraufhin müssen Bammer und Rehulka rapide gealtert sein, denn bereits drei Monate später kündigte Ditz die Ablöse des Vorstandes "aus Altersgründen" an. Nun darf der Vorstand bis Jahresende weiterwerken, Nachfolger sind natürlich keine in Sicht. Was das etwa für die längerfristige Unternehmensplanung heißt, kann sich jeder Aktionär ausrechnen. Die AUA allein hat nicht 70 Prozent an Wert verloren - die AUA mit diesem Eigentümer ÖIAG jedoch ganz sicher. (DER STANARD, Printausgabe 4.8.2001)

Share if you care.