Sprache verbindet mit dem Web

3. August 2001, 19:45
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Mit zunehmender Mobilität wächst Nachfrage und Entwicklung standortbezogener Dienste

Wien - Der ungebrochene Handyboom und das nicht minder weiterwachsende Internet beweisen es: Mobilität ist stärker gefragt denn je. Mit der räumlichen Freiheit verändern sich allerdings auch die Anforderungen an die Information. Wer in Vorarlberg unterwegs ist, wird wenig Interesse an einem Stau auf der Südosttangente haben, und es gibt sicherlich nur wenige Innsbrucker, für die das Wiener Kinoprogramm lebensnotwendig ist.

Location Based Services

Die Lösung dieser Misere heißt "Location Based Services": Die auf Geomarketing und Geocodierung spezialisierte Wiener Softwareschmiede WIGeoGIS entwickelte, wie DER STANDARD bereits berichtete, schon zahlreiche Applikationen, die einen mobilen Anwender mit genau jenen Informationen versorgen, die für ihn auch tatsächlich relevant sind.

Schnittstelle zum Menschen

Eine Schwachstelle bei allen mobilen Informationssystemen war bisher jedoch die Schnittstelle zwischen dem Menschen und dem Datennetz. Das einst hochgelobte "Wireless Application Protocol" WAP findet auch nach eineinhalb Jahren auf dem Markt keine breite Annahme. Nur etwa drei Prozent der Handybesitzer nutzen diese Funktionen ihres Telefons. Was nicht weiter verwundert: Wenn man von den neuen Handy-Organizer-Hybriden absieht, ist das Surfen im Netz auf einem kleinen Handydisplay mit noch kleineren und viel zu wenigen Tasten alles andere als ein Vergnügen.

UMTS für Freaks

Der Kommunikationsstandard der dritten Generation, wie UMTS (Universales Mobiles Telekommunikations-System) auch bezeichnet wird, lässt weiter auf sich warten und wird anfangs eher Technologiefreaks als ein Massenpublikum ansprechen. Die Frage, wo die nächste offene Apotheke ist oder welche Filme im Kino um die Ecke gerade laufen, ist jedoch für breite Konsumentenschichten interessant.

Deshalb hat WIGeoGIS jetzt mit der Korneuburger Firma Sonorys, ein Management-Buyout aus der Alcatel-Gruppe, ein Kooperationsabkommen zur Entwicklung einer neuen Benutzerschnittstelle unterzeichnet: Anwender sollen in Zukunft ausschließlich mit ihrer Stimme Datenbanken im Internet abfragen können.

Sprecherunabhängige Spracherkennung ausgereifter

Die sprecherunabhängige Spracherkennungstechnologie ist mittlerweile so weit ausgereift, dass tatsächlich ein "Gespräch" zwischen Mensch und Maschine möglich ist - wer es ausprobieren möchte, kann sich unter 02262-72015-2011-3 oder -4 mit Marion oder Stefan, zwei rein virtuellen Wesen mit jeweils eigenständigem Charakter, am Telefon unterhalten, ohne nach dem Verbindungsaufbau auch nur eine einzige Taste drücken zu müssen.

Bankomaten erfragen

Wie sich ein solches Sprachportal mit standortbezogenen Informationen auf einen Nenner bringen lässt, zeigt eindrucksvoll eine Demo unter der Nummer 02262-72015-9221: In dieser Applikation, der die geographischen Datenbankanwendungen von WIGeoGIS zugrunde liegen, kann der Benutzer per Telefon den nächstgelegenen Bankomaten ausfindig machen oder abfragen, in welchem Kino in der näheren Umgebung ein gewisser Film läuft. Wohl bemerkt handelt es sich hierbei nur um Technologiedemonstrationen, aber es ist damit zu rechnen, dass bereits in sehr kurzer Zeit die ersten echten Anwendungen zur Verfügung stehen. (Uwe Fischer-Wickenburg, DER STANDARD, Prinatausgabe, 4./5. August 2001)

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