Wirte wollen eigenes Wasser ausschenken

3. August 2001, 18:57
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Reaktion auf steigende Nachfrage nach Leitungswasser

Wien - Die STANDARD-Berichte über das Glas Leitungswasser in der Wiener Gastronomie zeigen Wirkung: Eine Hundertschaft von Wirten plant, Gratistrinkern mit einem neuen Quellwasser aus der Flasche das Wasser abzugraben.

Die Nachfrage nach kostenlosem Nass steige immer mehr, beklagt Stefan Gergely, Chef mehrerer Lokale. Nachsatz: "vielleicht auch wegen der Medienberichte". Besonders die Kolumne auf Seite eins des STANDARD sei ihm zuletzt bitter aufgestoßen.

Denn wer zum Leitungswasser greift, bestellt kein Mineral, weiß der Gastronom. Macht an Gergelys 80 Tischen "500.000 Schilling Umsatzentgang pro Jahr". Besonders bedauert er sein Personal, "weil die um die Umsatzbeteiligung umfallen und nur leere Kilometer haben".

" Schnorrer"

Was hat der Wirt nicht alles probiert gegen die Gratistrinker: Bei jeder Leitungswasser-Bestellung ein kohlensäurefreies Mineral "billiger als das normale" anzubieten, etwa. Doch den Gästen war der Mund nicht wässrig zu machen. "Dann haben wir argumentiert, dass das hoch gerühmte Leitungswasser ja gechlort ist", verrät Gergely. Wieder ein Schlag ins Wasser. "Einen Markttest machen", nennt er das und schätzt: "Bis zu zwei Drittel sind Schnorrer. Sie bestellen Leitungswasser, weil es gratis ist, der Rest, weil sie vom Mineral Schnackerl kriegen würden."

Nun soll "rasch" ein "supertadelloses Quellwasser" in Flaschen verkauft werden. Für dieses Projekt setzt sich Gergely besonders ein: "Wir haben bis nach Italien telefoniert, um einen Abfüller zu finden. Jetzt haben wir einen," verrät er, "auch die Idee fürs Etikett ist fertig, den Namen verrate ich noch nicht." Der soll noch im August auf den Flaschen prangen, geht es nach Gergelys Wünschen. Aber nicht nur nach seinen: "Mindestens ein Drittel der 300 Wirte in der Aktion ,Wiener Beisl' würden bei dem Schnellschuss mit tun", ist er überzeugt.

Werbeoffensive

Und was soll die Leitungswasser-Freunde überzeugen, künftig einen Preis von "etwa zehn Schilling pro Glas, 30 pro Liter" zu zahlen? "Die größere Freiheit von Nitraten und Phosphaten bei unserem Quellwasser. Es bedarf aber eines massiven, koordinierten Werbeaufwandes, um das rüberzubringen", weiß der profilierte PR-Mann Gergely. "Aber das Leitungswasser schlecht machen", weist er eine mögliche Werbelinie von sich, "würde ich ablehnen." Nachsatz: "Damit täten wir nicht durchkommen."(DER STANDARD, Print- Ausgabe, 4./5.8.2001)

Roland Schönbauer
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