Dornbirn

10. August 2001, 11:31
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In und um die Stadt findet seit vielen Jahren schon eine stille Stilrevolution statt. In ruhigen, kleinen Straßen und auf der sprichwörtlichen grünen Wiese.

Wem das renommierte Architekturmagazin Wallpaper 14 Seiten zur Verfügung stellt, der muss schon etwas vorzuzeigen haben.


Erster Tag

Natürlich sind sie da. Die verspielten, türmchengekrönten, prunkenden Villen der Rhombergs, Mäsers und Konsorten. Mit ausladenden Parks samt edler Wachhunde. Das ist beeindruckend, man spaziert gerne durch diese Straßen, die auch die Namen der Industriellen tragen.

Wir beginnen das, weswegen wir da sind, wir beginnen unsere ArchitekTour, der Einfachheit halber gleich beim Hotel Martinspark, wo wir auch wohnen. Die Architekten Baumschlager und Eberle haben Anfang der Neunzigerjahre ein so genanntes Designerhotel verwirklicht. Eines von der Sorte, in dem man sich auch wohl fühlen kann, ohne das Gesamtkunstwerk zu stören. Klare Linien, karge Formen. Nächster Programmpunkt ist das Feuerwehrhaus, immerhin schon bemerkenswert genug, einen solchen Zweckbau herzeigen zu können. Wolfgang Ritsch hat ganze Arbeit geleistet, der Feuerwehrhauptmann würde uns allerdings viel lieber die Löschfahrzeuge zeigen, die auch auf dem letzten technischen Stand sind. In der Rosenstraße, im historischen Villenviertel der Stadt, liegt der Wohnhof, gebaut von Roland Gnaiger und Udo Mössler. Überall anders wären in dieser elitären Lage Reichtum vortäuschende Terrassenhäuser entstanden, nicht so in Dornbirn. Pure, karge Architektur, ein faszinierendes Atrium, Holz, Holz und noch einmal Holz. Straßenseitig liegen drei "ertrunkene" Parkplätze, kleines Aper¸cu zur Tatsache, dass gesetzlich ausreichende unterirdische Garagenplätze geplant werden mussten. Und wo immer wir in der Folge Würfel, Quader und Kuben aus Holz sehen, wissen wir, hier sind wir richtig. Wir beginnen uns allerdings bald zu fragen, warum gerade in Vorarlberg? Mit Holz zu bauen hat hier eine lange Tradition, das werden wir morgen anschaulich im Bregenzer Wald sehen, Reichtümer hatte das Volk kaum, immer behalten hat es die auf hohem Niveau stehende Handwerkskunst. Und genau da hat die Vorarlberger Bauschule angesetzt. Im Jahr 1965, begünstigt durch ein liberales Baugesetz, durch visionäre Architekten wie Hans Purin und die passenden Bauherren "alles ziemlich linke Lehrer". Heute huldigen mehr als 100 Büros den Glaubenssätzen wie "Architektur ist das wichtigsten kulturelle Dokument einer Epoche und einer Region", und sie haben Erfolg.


Zweiter Tag

Im Bregenzer Wald haben wir dann die Erfüllung gefunden. Da wären einmal die alten Häuser, diese schindelbedeckten Schönheiten und in vielen davon - sympathisch - auch haubengekrönte Wirtshäuser. Mitten auf der Wiese außerhalb der Ortschaft Schwarzenberg hat Helmut Dietrich ein Wohnhaus für die Familie Innfels realisiert. Hier stehen wir vor der Idealversion modernen Wohnens auf dem Land. Dass die Bushaltestellen im Bregenzer Wald auch medaillenverdächtig sind, ist nur ein Detail mehr.

Ressortübergreifend die Bregenzer "Bohème". Mimis wegen habe ich schon oft geweint. Und es ist ein gutes Zeichen, dass die kleine Mimi auch auf der großen Seebühne zu berühren weiß. Niemand muss sich seiner Gefühle schämen, auch wenn die Ablenkung durch diverse Schmonzetten schwer zu bewältigen ist. Selbstverständlich ist musikalisch nicht immer alles lupenrein, die Darsteller bewegen sich auf einer sehr schrägen Fläche, der Wind bläst die Haare ins Gesicht, die Mücken können lästig werden. Aber wenn ich pure Oper will, dann erlebe ich sie, wenn ich Glück habe, im Theater. Die totale Sicherheit gibt ohnehin nur eine CD.

Anreise:
am schnellsten (50 Minuten) mit dem Embraer-Jet der Rheintal nach Altenrhein in der Schweiz (Duty-free-Einkaufsmöglichkeiten!), dann mit dem Bus. Sonst mit Bahn oder Pkw.
Unterkunft:
In Dornbirn das Hotel Martinspark, Direktor Willi Förster hat sich zu einem Architekturspezialisten entwickelt und gibt gerne Auskunft.
Im Bregenzer Wald eine Palette vom Hotel bis zum Bauernhaus. Empfehlenswert das Romantikhotel in Schwarzenberg. In dieser Region gibt es auch die größte Dichte von Haubenrestaurants in Österreich (z.B. in Schwarzenberg der "Adler" ein von Architekt Kaufmann behutsam renoviertes altes Wirtshaus) und prachtvolle Ferienmöglichkeiten.
ArchitekTouren:
der dreisprachige Führer kann über den Vorarlberg Tourismus bezogen werden.
Kultur:
in Schwarzenberg findet die Schubertiade statt. Austragungsort ist der kürzlich umgebaute, moderne Angelika-Kauffmann-Saal.
Kulinarisches:
In der Region ist Silofütterung verboten. Dementsprechend ist die Qualität der Produkte. Die Elite in Sachen Käse findet sich auf der so genannten Käsestraße. Dezent beschildert findet der Kenner leicht zu innovativen Biobauern, kleinen Dorfsennereien, traditionellen Alpsennern und engagierten Gastwirten.

Von Susanne Mitterbauer

Infos:
VorarlbergTourismus/
Wien:
Tel. (01) 535 78 90
E-Mail:ukinz@vienna.at
www.vorarlberg-tourism.at
ArchitekTouren:
Tel: (05572) 511 69
vbg.architekturinstitut
@vol.at

www.v-a-i.at
Schwarzenberg:
Tel: (05512) 35 70
schw@fh-vorarlberg.ac.at
www.bregenzerwald.at
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