Umfrage: Eurogeld bremst Konsum

3. August 2001, 15:37
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37 Prozent wollen sich bei Käufen nach der Währungsumstellung zurückhalten

Wien - Der labilen Konjunktur droht nach der Eurobargeld-Einführung ein weiterer Rückschlag. 37 Prozent gaben in einer von der Nationalbank in Auftrag gegebenen Umfrage an, wegen der mit der Einführung verbundenen Unsicherheit in der Einschätzung der Wertigkeit der Preise weniger als üblich ausgeben zu wollen. "Stellen Sie sich vor, ein Drittel der Bevölkerung hält sich mit Einkäufen zurück und dann noch europaweit", sagte Fessel-Gfk-Chef Rudolf Brettschneider, der die Umfrage in Zusammenarbeit mit Professor Erich Kirchler vom Institut für Psychologie der Universität Wien durchgeführt hat. Bei der im Zeitraum Juni/Anfang Juli durchgeführten Umfrage wurden 1000 für die Bevölkerung ab 15 Jahren repräsentative Personen befragt.

Vorstandsdirektor Wolfgang Duchatczek von der Nationalbank glaubt dagegen nicht, dass es zu einem größeren Nachfrageeinbruch kommen wird. Grundsätzlich habe sich nämlich gezeigt, dass die zunehmende Beschäftigung mit dem Euro auch ein bessere Einschätzung des in Euro ausgedrückten Wertes der Waren nach sich zieht. Und die Information über den Euro werde in den nächsten Monaten stark intensiviert werden. Was auch notwendig erscheint, denn bisher gaben nur 13 Prozent an, sich "sehr viel" und 25 Prozent "eher viel" mit dem Thema Währungsumstellung beschäftigt zu haben. 62 Prozent haben sich bisher wenig oder gar nicht damit beschäftigt.

Europreise werden unterschätzt

Generell gibt es bei den Euro-Preisen eine gewisse Unterschätzung - jedoch mit starken Unterschieden zwischen etwa häufig gekauften oder langlebigen Produkten. Die befragten Personen hatten für eine Reihe vorgegebener Produkte und Leistungen Schätzungen in Schillingpreisen anzugeben. Diese wurden mit dem Befragungscomputer sofort in Euro umgerechnet. Der Eurobetrag wurde vorgelegt und erfragt, ob der Europreis eher billiger, eher teurer oder gleich empfunden wurde (tatsächlich war es der gleiche Preis in Euro ausgedrückt). Generell wurden die Preise von 40,5 Prozent der Befragten als gleichwertig eingestuft, 32,9 Prozent empfanden sie als billiger, 26,6 Prozent als eher teurer.

Unterschätzt wurden die Preise vor allem bei alltäglichen Waren wie Milch, Zigaretten oder Benzin. Schuhe oder die Jahresvignette schienen eher teurer, bei sehr seltenen Anschaffungen wie Autos oder Waschmaschine dagegen stieg der Anteil der richtigen Schätzung des Wertes. Brot, Milch und Benzin sind jene Produkte, bei denen die Befragten angaben, sich die Europreise am schnellsten merken zu wollen.

Bürger erwarten Preiserhöhungen

56 Prozent der Bevölkerung erwarten Preiserhöhungen nach der Währungsumstellung. Dies trotz der wiederholten Ankündigungen der Politiker und der Handelsmanager, dass es zu keinen Preiserhöhungen kommen wird. Eine im Wirtschaftsministerium eingerichtete Preiskommission soll darüber wachen, der Minister kann notfalls die Preise festsetzen. (ha, DerStandard, Printausgabe, 04.08.2001))

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