Aktion gegen Beisel-Radau geht im Verkehrslärm unter

3. August 2001, 14:34
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Lärmsanierungsprojekt am Siebensternplatz ist geglückt

Wien - Auch wenn die Straßenbahn um die Kurve donnert, der Busfahrer der Wiener Linien den Motor aufheulen lässt und ein Lkw nach dem anderen durch die engen Vorstadtgassen prescht: Am Siebensternplatz in Wien-Neubau ist man glücklich. Dort wurde zwar nicht der Verkehrslärm reduziert, aber zumindest etwas gegen den Radau der örtlichen Beisel-Szene getan. Verantwortlich dafür ist ein Projekt von Stadt Wien und EU namens "Sylvie", das am Freitag von Umweltstadträtin Isabella Kossina (S) und Bezirksvorsteher Thomas Blimlinger (G) präsentiert wurde.

Musik wird automatisch leiser

Das mit elf Mill. S (799.401 Euro) dotierte Projekt setzt auf Streitschlichtung zwischen Lärmverursachern und Anrainern, aber auch auf ganz simple Maßnahmen. Am Ort der Pressekonferenz, der Szene-Bar "Shultz", wurde das vorgeführt: Geschäftsführer Stefan Hager hat eine Musikanlage einbauen lassen, die automatisch leiser wird, wenn ein Fenster geöffnet ist.

Schanigarten wird erst in der Früh sauber gemacht

Weitere simple Schritte zur Lärmverminderung: Der Schanigarten wird nicht in der Nacht, sondern erst am Vormittag weggeräumt. Das Mobiliar ist jetzt durch Kunststoff ummantelte Stahlseile statt durch scheppernde Eisenketten gesichert, alle Rollcontainer haben Gummiräder bekommen. Und besonders laute Gäste werden einfach gebeten, still zu sein.

Das "Sylvie"-Projekt (der Name steht für "Systematische Lärmsanierung von Innerstädtischen Wohnvierteln") läuft noch bis Herbst 2002. Herauskommen soll "ein Rezeptbuch, wie man mit innerstädtischen Umweltproblemen umgehen soll", so Wolfgang Khutter von der MA 22 (Umwelt). Dies erkläre auch die hohen Kosten für das Projekt: Planungen, Erhebungen, Statistik, Befragungen und das gesamte Mediationsverfahren müssten bezahlt werden. Außerdem sei man auch fünften und zwölften Bezirk aktiv.

Für Kossina ist Lärm "ein Störfaktor in der Stadt, den man sehr ernst nehmen muss". Durch die Mediation zwischen allen Beteiligten habe man innerhalb eines Jahres erfolgreiche Lösungen gefunden, denn "durchs Reden kommen die Leute zusammen". Auch Blimlinger zeigte sich zufrieden: "Am wichtigsten war, wie in diesem dicht verbauten Gebiet mit Konflikten umgegangen wird."

Projekt soll auch Spittelberg ruhig machen

Der Grüne Bezirksvorsteher will das Projekt nun auch auf den Spittelberg ausweiten. Und auch dem Thema Verkehrslärm will er sich widmen. Zu Recht, wie sich auf der Pressekonferenz zeigte: Die zufriedenen Statements der beiden Anrainerinnen gingen fast völlig im Motorengeräusch eines vorbei fahrenden Busses der Linie 13A unter. (APA)

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