Südtirol: Reiche Funde aus der Kupferzeit

3. August 2001, 13:37
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Äxte, Nadeln, Pfeilspitzen und eine breite Palette an Tierknochen

Bozen - Silexspitzen, ein Steinbeil, Kupferäxte und zahllose Keramikscherben haben Archäologen am Pigloner Kopf in der Südtiroler Gemeinde Pfatten entdeckt - ein Beweis, dass der Platz bereits in der Kupferzeit besiedelt war.

Der Pigloner Kopf, ein Felsvorsprung auf dem Mitterberg im Südtiroler Unterland, wurde bereits vor sechs Jahren von Hanns Oberrauch aus Tramin als archäologische Fundstelle entdeckt. Zu den herausragenden Funden am Pigloner Kopf gehören drei Depotfunde mit sechs Silexspitzen, vier Kupferäxte und zwei Kupferahlen. Dazu kommen sieben römische Silbermünzen des 2. und 3. Jahrhunderts.

Die Archäologen mutmaßten, dass das Deponieren von symbolischen Wertobjekten einen rituellen Grund haben könnte und in Zusammenhang mit dem Phänomen der Warmlöcher am Mitterberg steht. Neben tausenden Silexsplittern, Keramikscherben und Tierknochen fanden sich zudem ein Mahlstein aus Porphyr, Schlag- und Schleifsteine, Birkenklebeharz und Webgewichte.

Zu den interessantesten Funden der diesjährigen Grabungskampagne zählen ein geschliffenes Steinbeil, Geräte aus Hirschhorn, acht Pfeilspitzen, eine Vielzahl an Feuerstein- und Knochengeräten, Keramikfragmente und Tierknochen sowie zwei kleine Kupferspiralen und eine seltene Kupfernadel.

Reiche Palette an Tierresten

Die gefundenen Knochen wurden einer eingehenden Analyse unterzogen, die ergeben hat, dass sie zum Großteil von Hirsch und Schwein, daneben aber auch von Schaf, Ziege und Rind stammen, die am Pigloner Kopf verzehrt wurden. Dazu sind auch Knochen von Bären, Hund oder Wolf, Dachs und Hase belegt. Fische, Schildkröten und Süßwassermuscheln ergänzten den Speiseplan.

Die Archäologen gingen davon aus, dass die zweieinhalb Meter hohe Schichtablagerung vor und unter einem Felsdach sich innerhalb weniger Jahrhunderte um 2.500 vor Christus bildete, also in der späten Kupferzeit. Die damaligen Bewohner waren von der über ganz Europa verbreiteten Glockenbecherkultur beeinflusst. Kulturelle Beziehungen ließen sich sowohl zum oberitalienischen wie zum transalpinen Raum (Österreich, Slowenien) nachweisen.

Die Funde sollen genau dokumentiert werden. Außerdem werden Proben für naturwissenschaftliche Analysen entnommen, auch um einen weiteren Beitrag zur Erforschung des archäologischen Umfeldes des Mannes aus dem Eis liefern zu können. Die Grabungsergebnisse sollen publiziert und zudem im Rahmen einer Sonderausstellung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. (APA)

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