Hochverzinsliche Europa-Anleihefonds enttäuschen mit herben Verlusten

3. August 2001, 13:01
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Langfristig jedoch positive Erwartungen dank positiver Konjunktur-Aussichten

Wien - Kaum eine Fondsgesellschaft konnte in diesem Sektor im vergangenen Jahr eine positive Performance erzielen. Selbst renommierte internationale Investmentgesellschaften waren vor zweistelligen Rückgängen nicht gefeit. So sticht etwa der Mercury Selected Trust European High Yield Bond Fund von Merrill Lynch mit einer Jahresperformance von minus 24 Prozent (per 30. Juni 2001) besonders negativ hervor. Der Fonds will maximales Kapitalwachstum durch Investments in hochverzinste Rententitel, zinsvariable Schuldtitel und andere von europäischen Unternehmen begebene Papiere wie etwa Vorzugsaktien und Wandelanleihen erreichen. Merrill Lynch Investment Managers (MLIM) begründet in einem Newsletter die ungenügende Wertentwicklung des "European High Yield Bond Fund" unter anderem mit anhaltend negativen Wirtschaftsnachrichten insbesondere im europäischen Raum sowie der anhaltenden Schwäche an den Aktienmärkten.

Sommerloch

Der europäische High-Yield-Markt werde in den Sommermonaten in der Regel von einer saisonalen Schwächephase erfasst. Die aktuell extrem schlechte Liquidität im Markt habe zu überzogenen Preisreaktionen geführt - im weiteren Verlauf des Sommers könnte sich dieser Trend weiter fortsetzen. Auch verweist die Fondsgesellschaft in ihrem aktuellen Kommentar auf einen offensichtlichen "Buyer's Strike", da Anleger keine neuen Mittel in hochverzinsliche Anleihen zuteilen. Einen weiteren Grund für das schlechte Abschneiden sieht MLIM in der vergleichsweise geringen Gewichtung des Fonds bei so genannten "gefallenen Engeln". Bei diesen handelt es sich um Unternehmen, deren Kredit-Rating herabgestuft wurde und keine erstklassige Bonität mehr aufweisen.

Österreichischer Klon

In Österreich liegt ein Klon des Mercury Selected Trust European High Yield Bond Fund unter einem Mantel der Capital Invest. Mit dieser Konstruktion kommt der "Mercury Europäischer High Yield Anleihenfonds" in den Genuss der Endbesteuerung. Mit einer Jahresperformance von minus 19,6 Prozent liegt der Capital-Invest-Klon immerhin besser als sein deutsches Pendant. Unter den größten Einzelpositionen finden sich Energis, Telewest, Kappa Beheer sowie Colt Telecom. Die Manager blieben im Bereich Medien/Kabel zwar übergewichtet, das Engagement bei UPC wurde jedoch verringert, als sich herausstellte, dass neue Finanzierungen eher durch Aufnahme von Fremdmitteln als durch Erhöhung des Eigenkapitals erfolgen würden. Auch das Engagement im Bekleidungssektor, hier insbesondere bei Levi Strauss, wurde reduziert. Als einer der "gefallenen Engel" wurde Xerox gekauft.

Prognose

Merrill Lynch Investment Managers erwarten einen weiterhin volatilen Finanzmarkt, bis sich die Wachstumsaussichten wieder deutlich verbessern. Zwar vertraut man darauf, dass die erheblichen Zinssenkungen in den USA letztendlich Erfolg haben und einen Wachstumsanreiz geben könnten. Auch mit Zinsschritten durch die Europäischen Zentralbank rechnet man bei Merill Lynch. Trotzdem werde es auch eine Steigerung bei der Anzahl der Zahlungsausfälle geben. Langfristig sehen die Experten die Lage positiv, da sie damit rechnen, dass sich die Konjunkturlage in Europa gegen Ende des Jahres verbessern dürfte. (APA)

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