Videokamera - Pille statt "Schlauch" für Magen-Darm-Tests

3. August 2001, 14:13
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Pillenkapsel ermöglicht nicht nur schmerzfreie sondern auch billigere Endoskopie

New York - Eine Pille mit eingebauter Videokamera zur Untersuchung des Magen-Darm-Trakts haben US-Behörden zugelassen. Mit einer Größe von 2,5 Zentimetern ist die Pille leicht zu schlucken. Sie erlaubt der Kamera auf dem Weg durch den Verdauungstrakt farbgetreue Nahaufnahmen zu machen. Die amerikanische Zulassungsbehörde FDA habe die neue "High-Tech-Pille" aus Israel frei gegeben, sagte ein FDA-Sprecher am Donnerstag in Bethesda (US-Staat Maryland).

In einer Untersuchung mit 20 Patienten erwies sich die "Pille" als fast doppelt so effektiv in der Diagnose von Entzündungen, Geschwüren und anderen Anomalitäten in Magen und Darm wie die herkömmliche Endoskopie. Bei ihr wird eine Sonde mit der Kamera an der Spitze durch Nase oder Hals des Patienten in die Speiseröhre, weiter in den Magen und schließlich in den Darm geführt. Mit diesem Verfahren gelingt es häufig nicht, den rund sieben Meter langen Dünndarm bis zum Ende zu untersuchen.

Acht bis 72 Stunden

Dagegen führt die "M2A Schluckbare Aufnahme-Kapsel" die Videokamera auf ihrem Weg zum natürlichen Ausgang durch alle Darmwindungen. Die eingekapselte Kamera wird nach acht bis höchstens 72 Stunden wieder ausgeschieden und kann dann in einer neuen Kapsel erneut zum Einsatz kommen.

Während dieser Untersuchung muss der Patient sich nicht in der Praxis oder Klinik aufhalten, sondern kann seinen normalen Tagesaufgaben nachgehen. Derweil überträgt die Kamera alle Bilder aus dem Inneren per Sender auf einen Empfänger, den der Patient an seinem Handgelenk trägt. Dieser Empfänger wird später beim Arzt abgeliefert, der sich die Aufnahmen dann auf seinen Computer lädt.

Die Kamera des israelischen Unternehmens "Given Imaging Ltd." aus Jokneam bei Haifa wurde von einem israelisch-englischen Team um den Raketen-Techniker Gadi Iddam entwickelt. Das Gerät werde allerdings die klassische Endoskopie und Colonoskopie nicht vollständig ersetzen können, glaubt das Unternehmen. (APA/dpa)

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