Vorstandschef Böhm: Wachstumsknick bei YLine, aber keine Insolvenz

3. August 2001, 16:39
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Gescheiterte IBM-Partnerschaft verursachte 60 Millionen Euro Umsatzentgang - A&A Early Bird erhöht Anteile

Das börsenotierte Wiener Softwareunternehmen YLine erwartet durch die gescheiterte Partnerschaft mit IBM, woraus ein Umsatzentgang von 60 Mill. Euro (826 Mill. S) resultiere, eine "Beeinträchtigung des künftigen Wachstums", aber "kein katastrophales Ergebnis", sagte YLine-Vorstandschef Werner Böhm heute, Freitag, vor Journalisten. Eine drohende Insolvenz schloss Böhm - zumindest für die nächsten drei Monate - aus. YLine suche derzeit neue Partner für die Vertriebsschiene, allerdings "keine ähnlich dominanten Partner wie IBM mehr", so Böhm.

"Vertragsbruch, die missbräuchliche Verwendung ihrer marktdominierenden Stellung und die Anwendung unfairer Geschäftsmethoden"

YLine, das im September 1999 mit IBM eine Zwei-Jahres-Partnerschaft über die Errichtung von Rechenzentrumsinfrastruktur für Internet Application Services geschlossen, hat, wirft - wie berichtet - IBM nun "Vertragsbruch, die missbräuchliche Verwendung ihrer marktdominierenden Stellung und die Anwendung unfairer Geschäftsmethoden" vor und fordert 42 Mill. Euro an bereits von YLine aufgewendeten Kosten von IBM zurück. Eine Klage gegen IBM wird noch geprüft.

Das Vorgehen gegen IBM sei aber "keine Flucht nach vorne" und keine Erklärung für eine möglicherweise drohende Insolvenz anzusehen, bei der IBM als der Schuldige resultieren sollte, sondern eine "kaufmännische Überlegung", die nichts mit einer Insolvenz zu tun habe, betonte Böhm.

"Überhaupt nicht nachgekommen"

In den vergangenen Monaten habe sich herausgestellt, dass IBM der Vertragsverpflichtung, die gemeinsam mit YLine entwickelten Produkte zu vertreiben und binnen drei Jahren daraus einen Umsatz von 60 Mill. Euro zu generieren, "überhaupt nicht nachgekommen" sei, kritisierte Böhm.

"Wenn ein Partner dieser Dimension und Wichtigkeit für ein Unternehmen wegfällt, tangiert das YLine natürlich", so Böhm. Die genauen Auswirkungen auf den künftigen Geschäftsverlauf könnten allerdings erst in den kommenden Wochen quantifiziert werden. Das Geschäftsmodell sei allerdings noch intakt. YLine habe bisher 80 Prozent des Umsatzes über Direktvertrieb erzielt. Der technische Teil der gescheiterten IBM-Partnerschaft werde von Compaq übernommen.

Im 1. Quartal habe YLine ein positives Betriebsergebnis vor Abschreibungen (EBITDA) geschrieben, für das 2. Quartal seien die Ergebnisse noch nicht publiziert, im 3. Quartal werde man die Analystenerwartungen auf ein positives Ergebnis erfüllen, berichtete Böhm weiter.

Bezüglich der YLine-Beteiligungen, deren Wert mit 621 Mill. S beziffert wird, sei keine Wertberichtigung notwendig, so Böhm. YLine habe derzeit keinen Kapitalbedarf, daher werde man auch die Finanzierungszusage des US-Fonds Navigator, an den laut Vertrag in den nächsten 18 Monaten Aktien im Wert von bis zu 50 Mill. Euro verkauft werden können, "in absehbarer Zeit nicht nutzen". Allerdings kann diese Option nur gezogen werden, wenn die Aktie über 5 Euro notiert, bestätigte Böhm .

Schweizer A&A Early Bird erhöht Anteile

Die schweizerische Investmentgesellschaft A&A Early Bird hat ihren Anteil an YLine erhöht und hält nunmehr nach eigenen Angaben 7,84 Prozent an der börsenotierten Gesellschaft. Das hat YLine-Vorstandschef Werner Böhm heute, Freitag, vor Journalisten in Wien bestätigt. A&A Early Bird notiert an der Schweizer Börse.

Böhm hält nach eigenen Angaben mittlerweile 12 Prozent an YLine. Sofern künftig Aktien verfügbar seien, werde er weiter zukaufen, so Böhm. 80 Prozent der YLine-Papiere befinden sich in Besitz von institutionellen und privaten Anlagern. (APA)

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