Technologiesektor: Licht am Ende des Tunnels

2. August 2001, 19:06
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Paul Kleiser, Technologie-Fondsmanager bei Henderson, erwartet bescheidene Erholung in den nächsten sechs Monaten

Paul Kleiser, Technologie-Fondsmanager bei Henderson, sieht für den krisengeschüttelten Technologiesektor Licht am Ende des Tunnels: "Die für das zweite Quartal in den USA veröffentlichten BIP-Zahlen zeigten deutlich einen starken Rückgang bei betrieblichen Investitionen, ein Großteil davon liegt im Technologiebereich. Leitindikatoren lassen eine Kehrtwende in den nächsten sechs Monaten vermuten, wir stufen diese jedoch als bescheiden ein. Einige Sektoren werden früher als andere Anzeichen einer Erholung aufweisen."

Die US-Wirtschaft wuchs im 2. Quartal dieses Jahres mit einer Jahresrate von 0,7 Prozent - die niedrigste Konjunkturrate seit acht Jahren. Betriebliche Investitionen - ein Großteil davon im Technologiebereich - schrumpften um 13,6 Prozent und erlebten damit ihre schlechteste Entwicklung seit der Rezession im Jahre 1982.

Lagerbestände werden geringer

Dies spiegelt die drastischen Kürzungen im betrieblichen Ausgabenbereich wider, die einerseits eine Folge der starken Überinvestitionen in den letzten Jahren sind und andererseits in Erwartung weiterer niedriger Wachstumsprognosen gemacht werden. Positiver zu werten ist, daß Lagerbestände weiterhin geringer werden - nach einem Rückgang um USD 27,1 Mrd. im ersten Quartal wurde jetzt ein Rückgang um USD 26,9 Mrd. verzeichnet. Dies legt nahe, daß der starke Überhang an Lagerbeständen, der aus einer Kombination von unerfüllten oder stornierten Aufträgen und Überkapazitäten in der Produktion resultierte, langsam abgebaut wird.

Bescheidene Erholung

Leitindikatoren lassen vermuten, daß sich die Investmentausgaben in den nächsten sechs Monaten wieder erholen werden. Wir glauben jedoch aus verschiedenen Gründen, daß diese Erholung bescheiden ausfallen wird.

  • Erstens konnte der Boom bei IT-Investments in den letzten Jahren teilweise auf die Dot.com-Manie zurückgeführt werden, die sich höchstwahrscheinlich in der nächsten Zeit nicht wiederholen wird.

  • Zweitens hat der Telekommunikationssektor weder die Geldmittel noch besteht eine Notwendigkeit, in den verbleibenden Monaten dieses Jahres und einem Großteil nächsten Jahres bedeutende Investitionen zu tätigen.

  • Drittens ist zu bedenken, daß die Weltwirtschaften später als die USA von der Konjunkturverlangsamung erfasst wurden, was einen negativen Einfluß auf die Nachfrage nach US-Exporten im Technologiebereich in künftigen Zeiten haben könnte;

  • Viertens existieren Überkapazitäten im Hardware- und Halbleiterbereich, deren Korrektur Zeit brauchen wird. Die relativ kurze Lebensspanne der meisten Technologiegüter und die Verzögerungen bei der PC-Wiederbeschaffung lassen auf ein normaleres Wachstum gegen Ende des Jahres 2002 und in 2003 schließen. Eine schnelle Rückkehr zu den außergewöhnlich starken Wachstumsraten der Jahre 1999 und 2000 sollte jedoch nicht erwartet werden.

Vorreiter

Als Vorreiter der Erholungstendenzen im Sektor sieht Hendersen folgende Bereiche:

  • PCs: die PC-Lagerbestände sind beinahe wieder auf einem normalen Niveau angelangt, und die Verkaufszahlen werden wahrscheinlich im Oktober starken Antrieb durch die Lancierung von Windows XP, der neuesten Version von Microsofts Betriebssystem, erhalten;

  • Netzwerke für Unternehmen: in diesen Bereich fallen Firmen wie Cisco, die sowohl Unternehmen als auch den Telekommunikationssektor beliefern; kabellose Handsets und Infrastruktur neue Modelle schaffen Nachfrage nach Einzelteil-Zulieferern, obwohl es noch zu früh ist festzustellen, wie diese bei den Verbrauchern ankommen werden;
  • Unternehmen im Bereich IT-Services-Outsourcing (ausgenommen Consulting) wie zum Beispiel EDS, die Unternehmen bei der Kostenreduzierung helfen.
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    foto: e-fundresearch.com
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