Spätes Debüt als Nachbarschaftspflege

2. August 2001, 21:23
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Lorin Maazel mit Bayern in Salzburg

Salzburg - 1999 feierte das Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks sein 50-jähriges Bestehen. Große Beachtung wurde dem unter Eugen Jochum absolut Bruckner-festen, dank Rafael Kubelik Mahler-kundigen, unter Colin Davis freundlich intonierenden und seit Lorin Maazel sehr TV-präsenten Ensemble seitens der Salzburger Festspiele aber noch nie zuteil.

So mag man die späte Verpflichtung als eine Art Wiedergutmachung betrachten, deren Chancen indes nur bedingt genutzt wurden. Es ist ja mittlerweile ein Kreuz mit dem so extrem könnenden, aber selten wirklich wollenden Dirigenten. Auch an diesem Abend bei der Burleske von Richard Strauss wurde spürbar, dass Maazel sich diesem Problemstück nicht verpflichtet fühlt, sondern flink-elegant dessen flüchtiges Hier und Jetzt organisiert.

Rudolf Buchbinder zeigte eine echte Liebe zu dieser Lausbubenvirtuosen-Caprice erst, als die Bratschen sich melodisch zu Wort meldeten und leise, den Rosenkavalier antizipierende Klavier-Streumuster für Liebreiz sorgten und damit jene keusche Erotik anklingen ließen, mit der ein Hofmannsthal mit dichterischer Sittsamkeit den Komponisten emotional in Hitze versetzte. Zuvor hatte sich Buchbinder auf Kosten klanglicher Forte-Gesundheit in die Thematik verbissen, als handelte es sich bei diesem Klaviereinakter um die bajuwarische Ausgabe des Gershwin-Concertos in F.

Bruckners Siebente: eine sichere Angelegenheit für ein aufmerksames Orchester, aber kein Gottesdienst à la Jochum und schon gar nicht eine schöne Unendlichkeit, wie sie die Münchner Philharmoniker unter Celibidache von den ersten Bebungen an eines erfühlten und nicht nur gespielten Tremolos unvergesslich gemacht haben.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3. 8. 2001)

Von
Peter Cossé

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