Gespannte Dialoge und Badewannen

2. August 2001, 20:14
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Linke, Hoffmann, Jant-Bi bei ImpulsTanz

Wien - Diese Damen sind schlicht grandios. Wenn Reinhild Hoffmann und Susanne Linke im restlos ausverkauften Volkstheater ihre über zwanzig Jahre alten Soli tanzen, die sie extra für ImPulsTanz wieder aufgenommen haben, ist das gelebte deutsche Tanztheatergeschichte.

Beider Arbeiten basieren, bei aller Differenz in der Tanzsprache, auf der grundsätzlichen Überlegung, wie Ideen in klare Form zu binden seien.

Reinhild Hoffmann findet Freiheit innerhalb strikt festgelegter Grenzen. In Solo mit Sofa kann sie sich nur wenige Meter weg vom Möbelstück entfernen. Ihr Kleid ist durch eine lange Schleppe mit dem Möbelüberzug verbunden. Sie rollt sich in den Stoff ein, turnt um das und auf dem Sofa herum und klettert schließlich auf die Lehne. Eine Königin, die auf ihre Art den Rahmen sprengt.

Ein Klo, eine Badewanne, eine in sich versunkene putzende Frau. Aus dieser alltäglichen Situation entwickelt Susanne Linke in Im Bade wannen eine zärtliche Liebesgeschichte. Die Wanne mutiert zum erträumten Partner, den sie umgarnt, an dem sie lehnt. Immer noch ist Susanne Linke eine fabelhafte, von Kopf bis Fuß gespannte, elegante Traumtänzerin.

Ganz anders Susanne Linkes Arbeit für Germaine Acognys Männerensemble Jant-Bi aus dem Senegal, das tags zuvor in der Halle E des Museumsquartiers Le Coq est mort zur Aufführung brachte. Das vor zwei Jahren gemeinsam mit Avi Kaiser geschaffene Stück setzt sich mit der Rolle des Mannes im heutigen Afrika auseinander. Bewusst hat Linke einen strengen choreographischen und inhaltlichen Rahmen vorgegeben.

Zur Musik von Etienne Schwarcz und Dmitri Schostakowitsch spielen die Tänzer aus Senegal, Nigeria und dem Kongo Szenen vor, die auf die westlich geprägte Geschäftswelt hindeuten, die mitunter von Gewalt und Krieg sprechen, den kontroversiellen Alltag näher bringen. Afrika hat viele Krisenherde. Zwei weise "Affen" weinen über die Toten und sie bringen wieder Leben. Harmonisches Singen bestimmt das Finale.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3. 8. 2001)

Von
Ursula Kneiss

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